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-   -   Frage: Bezahlung 3 Cent /Wort - sollen solche Angebote im Jobforum veröffentlicht werden? (http://www.journalismus.com/_talk/showthread.php?t=30026)

admin 16.02.2011 09:19

Frage: Bezahlung 3 Cent /Wort - sollen solche Angebote im Jobforum veröffentlicht werden?
 
Hallo KollegInnen,
ich bitte um Eure Mithilfe und Meinung:
Wir bekommen immer wieder Jobangebote zur freien Mitarbeit, bei denen eine Honorarhöhe von etwa 3 Cent /Wort angeboten wird. Für mich stellt sich die Frage, wie ich mit solchen Angeboten umgehen soll:
  • Veröffentlichen, damit KollegeInnen, die ein solches Angebot interessiert, sich darauf bewerben können, auch wenn die Honorarhöhe jenseits der branchenüblichen Bezahlung liegt?
  • Oder löschen, weil es sich um Preisdumping handelt?
Ich würde mich um Eure Rückmeldungen freuen und bitte Euch, euch an der angehängten Umfrage zu beteiligen.

osa 16.02.2011 11:43

AW: Frage: Bezahlung 3 Cent /Wort - sollen solche Angebote im Jobforum veröffentlicht werden?
 
Definitiv nicht.
Dieses Forum sollte doch Journalisten und angehende Journalisten in ihrer Arbeit unterstützen. Es ist eine Katastrophe, dass es solche Angebote überhaupt gibt, die meines Erachtens absolut ausbeuterisch sind. Diese hier noch publik zu machen, wäre fatal.
Ich bin derzeit als freie Mitarbeiterin bei einer Tageszeitung tätig und werde dort nach Tarif (wenn auch eher gering, wegen niedriger Auflage) bezahlt. Für den Text, den ich heute geschrieben habe, komme ich zumindest auf einen halbwegs passablen Lohn. Bei 3 cent pro Wort hätte ich an diesem sagenhafte 16,20 Euro verdient. Dafür war ich eine Stunde mit dem Auto unterwegs, eineinhalb Stunden auf dem Termin und habe zwei Stunden an dem Artikel geschrieben. Von diesem Geld kann ich vielleicht die Benzinkosten zahlen.
Arbeit muss sich lohnen. Das gilt auch für den Journalismus. Es gibt so viele junge Leute, die auf diesen Markt strömen, in der Hoffnung, dass sich ihr großer Traum erfüllt. Dafür machen sie (bzw. wir) schlecht oder unbezahlte Praktika, sind willig, jederzeit bereit Überstunden zu machen und freuen sich, wenn sie etwas tun dürfen.
Mit dieser Situation kann man sich abfinden, schließlich ist es eine erste Ausbildung und zumindest beim ersten Mal hat der Praktikant keine Ahnung was ihn erwartet und braucht ein bisschen mehr Zuwendung. Dann folgen die 400 Euro Stellen, bei denen bereits mehrere Praktika Voraussetzung sind -> billige Arbeitskräfte (noch besser tolle Stellen, die so beliebt sind, dass sich die einschlägigen Sender erlauben gar nichts zu zahlen)
Mit jeder Menge Glück bekommt man nach dem Studium (mit sehr guten Leistungen abgeschlossen, wenn's geht jung und mit Erfahrung) ein Volontariat angeboten. Da heißt es dann: "Leider können wir nicht nach Tarif zahlen, die Situation ist so schlecht" und die nächste billige, noch besser qualifizierte Arbeitskraft ist gefunden - Werden Volontäre eigentlich noch übernommen?
Danach folgt wieder freie Mitarbeit (wir hoffen ja noch immer auf den großen Durchbruch), meist wieder schlecht bezahlt... Im Idealfall gibts einen Partner, der das ganze finanziert. Oder die Eltern, die dem Traum ihrer Tochter/ihres Sohnes nicht im Wege stehen wollen und weiter Geld reinpumpen.
Bei diesen Voraussetzungen kann ich natürlich für 3 cent arbeiten. Denn dann ist das Schreiben ein Hobby. Wäre es aber nicht besser, sich von dieser Spirale nach unten zu lösen? Solche Angebote zu ignorieren und zumindest im Forum nur Jobs anbieten, die angemessen vergütet werden? Von alleine wird sich dieses Problem nicht lösen, denn es gibt einfach zu viele junge Menschen, die im Journalismus die Verwirklichung ihrer Ziele sehen und dafür alles tun.
Ich weiß nicht, ob ich falsch liege, aber ich befürchte, dass auch etablierte Journalisten (die Topstars der Szene ausgenommen) unter dieser Situation zu leiden haben oder leiden werden. Wenn ich als Arbeitgeber doch jemanden finde, der fast genauso gut ist und den Job für die Hälfte bzw. für ein Drittel des Geldes macht - wie viele sind denn so sozial denjenigen zu nehmen, der Tariflohn haben will?

Exkurs: glücklicherweise bin ich noch jung und flexibel. Deshalb schaue ich mich auch nach anderen Möglichkeiten um. Auf diesen Kampf habe ich keine Lust. Ich will nicht mit Mitte 30 noch immer vom Geld anderer abhängig sein.

arminR 16.02.2011 13:50

AW: Frage: Bezahlung 3 Cent /Wort - sollen solche Angebote im Jobforum veröffentlicht werden?
 
Ganz klar, Löschen !!!

Alles was nicht halbwegs zu einem realen Einkommen führt sollte aus diesem Forum darußen bleiben.

Beste Grüße
Armin

Texte-Büro 16.02.2011 14:42

AW: Frage: Bezahlung 3 Cent /Wort - sollen solche Angebote im Jobforum veröffentlicht werden?
 
Also ich arbeite für sehr unterschiedliche Auftraggeber. Bei machen bekomme ich für einen Artikel mit rund 1.000 Wörtern 300 Euro, manchmal schreibe ich aber auch für 4 Cent je Wort. Das heißt alledings nicht, dass Letzteres wirklich schlecher bezahlt ist. Es kommt eben immer auf den Auftrag an. Ein Artikel mit viel Recherche sollte entsprechend bezahlt werden. Aber wenn ich zum Beispiel zwischendurch nur ein paar Kurzmeldungen für 4 Cent je Wort schreibe, komme ich trotzdem auf einen Stundenlohn von 20 Euro. Es kommt eben immer auf den Auftrag an.

LarsB 16.02.2011 14:51

AW: Frage: Bezahlung 3 Cent /Wort - sollen solche Angebote im Jobforum veröffentlicht werden?
 
Zitat:

Zitat von osa (Beitrag 80328)
Auf diesen Kampf habe ich keine Lust. Ich will nicht mit Mitte 30 noch immer vom Geld anderer abhängig sein.

Ich kann dieses Gejammer nicht nachvollziehen. Vielleicht ist es dein Fehler, dass du bei einem nierigen Wortpreis automatisch absagst. Dabei können Texte mit einem nierigen Wortpreis und wenig Recherche manchmal lukrativer sein als gutbezahlte Großaufträge. Ein guter Unternehmer, und so eben auch ein Journalist, sollte auf einen gesunden Kunden-Mix achten. Und meiner Meinung nach gehören auch Aufträge dazu, bei denen man einfach Texte umscheibt. Das ist schnell verdientes Geld. Würde ich ausschließlich tolle Reportagen machen wollten, könnte ich davon nicht leben. Aber weil ich für sehr unterschiedliche Auftraggeber tätig bin, von SEO-Firmen bis hin zu Zeitschriften mit hoher Auflage, kann ich sehr gut davon leben.

Nemi217 16.02.2011 15:52

AW: Frage: Bezahlung 3 Cent /Wort - sollen solche Angebote im Jobforum veröffentlicht werden?
 
Ich kann mich Osa nur anschließen.
Unglücklicherweise gehöre ich zu diesen jungen aufstrebenden Schreiberlingen, die trotz guter Ausbildung (Studium, Praktika, Volontariat und freier Mitarbeit) es gerade schwer haben im Journalismus Fuß zu fassen. Praktika könnte ich viele machen, aber wer will schon der ewige Praktikant sein und eine feste Stelle zu finden ist auch kein Zuckerschlecken, ich bekam zu hören, dass die Situation so schlecht wäre. Nach dem Volontariat konnte ich auch nicht übernommen werden. Waren schon zwei neue Praktikanten da.:???:
Nun versuche ich mich als Freie, um überhaupt was tun zu können. Trotzdem nehm ich nicht alles an... Aber dann ein Jobangebot zu bekommen für 3 Cent/Wort ist für die Mühe und Arbeit, die man investieren soll, ein Witz. Und dann noch Qualität bieten?
Ich persönlich finde auch, dass meine Arbeit nicht ernstgenommen wird, wenn ich solche Honorarvorstellungen höre. Schließlich sollen in den meisten Fällen keine Texte einfach umgeschrieben werden, sondern neu erstellt.
Aber dieses Problem wird ein "Verbot" solcher Angebote nicht unbedingt lösen. Dann suchen sich diese Arbeitgeber andere Plattformen. Chancen seh ich da eher, wenn auch andere Plattformen hier mitziehen und solche Angebote nicht mer veröffentlichen.

Zum Glück bin auch ich flexibel und kann mich auch in anderen Bereichen als dem Journalismus orientieren, allerdings bleibt im Geldbeutel da auch nicht viel über. Ich habe immer wieder das Gefühl, dass Arbeitgeber nichts für gut ausgebildete Arbeitnehmer zahlen wollen. Aber so kann es doch nicht weiter gehen!

hillerheider 16.02.2011 18:05

AW: Frage: Bezahlung 3 Cent /Wort - sollen solche Angebote im Jobforum veröffentlicht werden?
 
Nicht nur aus purer Langeweile, sondern auch weil meine Mäuse mit Tränen aus dem Kühlschrank kommen, hatte ich als gestandene Fachjournalisten und Autorin einen solchen Job angenommen. Nach einer harten Arbeitswoche kann ich dafür jetzt 172 Euro berechnen. Dafür verkaufe ich lieber Überfüssiges auf ebay.

ramona 16.02.2011 20:04

AW: Frage: Bezahlung 3 Cent /Wort - sollen solche Angebote im Jobforum veröffentlicht werden?
 
Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man herzhaft lachen ...
Put money in my hand (Videos).

HARK 17.02.2011 09:49

AW: Frage: Bezahlung 3 Cent /Wort - sollen solche Angebote im Jobforum veröffentlicht werden?
 
3 Cent / Wort???
Ich zweifle, ob es sich lohnt, zu diesem Preis einen Text abzukupfern und umzuschreiben...

Texte-Büro 17.02.2011 10:53

AW: Frage: Bezahlung 3 Cent /Wort - sollen solche Angebote im Jobforum veröffentlicht werden?
 
Zitat:

Zitat von HARK (Beitrag 80339)
3 Cent / Wort???
Ich zweifle, ob es sich lohnt, zu diesem Preis einen Text abzukupfern und umzuschreiben...

Also ganz ehrlich: Wer bei 3 Cent je Wort für das Umschreiben von Texten nicht einmal auf 16 Euro die Stunde kommt, macht wirklich irgendwas falsch.

HARK 17.02.2011 11:24

AW: Frage: Bezahlung 3 Cent /Wort - sollen solche Angebote im Jobforum veröffentlicht werden?
 
16 Euro die Stunde?
Na prost Mahlzeit

Texte-Büro 17.02.2011 11:45

AW: Frage: Bezahlung 3 Cent /Wort - sollen solche Angebote im Jobforum veröffentlicht werden?
 
Zitat:

Zitat von HARK (Beitrag 80342)
16 Euro die Stunde?
Na prost Mahlzeit

Ich sage nicht, dass das ein Top-Lohn ist. Aber manchmal muss man eben auch Aufträge mit einem mäßigen Honorar annehmen. Wer dann lieber gar nicht arbeitet und ausschließlich Top-Aufträge annimmt, hat selber Schuld, wenn er am Ende kaum Geld auf sein Konto bekommt. Ich sage nicht, dass dieses Honorar toll ist. Aber es ist eine gute Ergänzung, um zwischen den besser bezahlten Aufträgen weiterhin Geld reinzubekommen.

Hessenreporter 17.02.2011 21:59

AW: Frage: Bezahlung 3 Cent /Wort - sollen solche Angebote im Jobforum veröffentlicht werden?
 
Mal ganz ehrlich: Ich hab' mich aus Langeweile auch dazu hinreissen lassen, mich bei Textbroker.de anzumelden. Und ich habe zwei oder drei Texte zu völlig hirnlosen Internetangeboten geschrieben. Danach ist mein Interesse sofort wieder erlahmt, auch wenn ich als Profi sehr schnell und sehr zielgerichtet arbeite.

Aber für das bißchen Geld lohnt es sich einfach nicht. Selbst als nettes Zubrot nicht. Da muss schon mehr ausbezahlt werden. Und für 16 Euro pro Stunde muss man massig schreiben. Auf 16 Euro pro Stunde durchschnittlich kommt man pro Monat sowieso nicht.

Freak 17.02.2011 22:13

AW: Frage: Bezahlung 3 Cent /Wort - sollen solche Angebote im Jobforum veröffentlicht werden?
 
Volle Zustimmung, OSA, diese Angebote sollten weg.
Hatte ja mal auf eine Bewerbung die Antwort erhalten, dass meine Preise eine „Frechheit“ wären. So ist das heutzutage: Es ist eine Frechheit, wenn ein Mensch von seiner Arbeit leben will … :roll:


Andererseits würde ich Texte-Büro bedingt recht geben: 3 - 4 Cent sind schon sehr wenig. Aber wenn jemand ein Angebot für etwa 6 Cent einstellen möchte, soll sie/er dazuschreiben, was die Arbeit beinhaltet. Z. B. „leichte Korrekturtätigkeit“, „Produktbeschreibungen ohne Recherche“, etc.

Freak 17.02.2011 22:28

AW: Frage: Bezahlung 3 Cent /Wort - sollen solche Angebote im Jobforum veröffentlicht werden?
 
Ach ja, das hatte ich übersehen: Anscheinend ist die Mehrheit dafür, Dumpingangebote stehen zu lassen. Dann wäre es zumindest hilfreich, wenn alle Auftraggeber einen Preis veröffentlichen müssten. So hätten wir die Auswahl und diejenigen, die es nicht wünschen, müssten nicht ihre Zeit mit Bewerbungen für Niedriglohnangebote vergeuden.

admin 18.02.2011 00:35

AW: Frage: Bezahlung 3 Cent /Wort - sollen solche Angebote im Jobforum veröffentlicht werden?
 
Zitat:

Zitat von Freak (Beitrag 80349)
Anscheinend ist die Mehrheit dafür, Dumpingangebote stehen zu lassen.

Umgekehrt: Die Mehrheit möchte diese gelöscht wissen....

Freak 18.02.2011 23:26

AW: Frage: Bezahlung 3 Cent /Wort - sollen solche Angebote im Jobforum veröffentlicht werden?
 
Ja richtig! Das freut mich natürlich. Hatte falsch geschaut …
Die 3 Cent-Angebote gehören wirklich nicht hierher. Sicher gibt es noch zig Jobforen, in welchen die Betreffenden sie veröffentlichen können, aber Sie haben die Verantwortung für diese Seite und können zumindest hier einen wichtigen Schritt einleiten

Selbst fände ich es sehr hilfreich, wenn alle Arbeitgeber Ihre Preise offen legen und alle die weniger als 10 Cent zahlen, den tatsächlich geringfügigen Aufwand kennzeichnen müssten.

Euch allen ganz viel Erfolg und volle Kühlschränke! :D

kugelschreiber 19.02.2011 14:04

AW: Frage: Bezahlung 3 Cent /Wort - sollen solche Angebote im Jobforum veröffentlicht werden?
 
Löschen, das sind keine journalistischen Angebote, sondern gehören in ein Texterforum! :-)

Danke für die Umfrage!! 8-)

Tom Schmidt 20.02.2011 23:40

AW: Frage: Bezahlung 3 Cent /Wort - sollen solche Angebote im Jobforum veröffentlicht werden?
 
Liebe Kollegen,

Ich arbeite ab einem Tageshonorar von 150 Euro als freier Journalist. Bei langfristigen Projekten kann es auch etwas weniger sein. Für Projekte im PR - Bereich stelle ich einen Tagesatz von 350 Euro in Rechnung, zuzüglich Mehrwertsteuer und Kosten.

Bei mittel - und langfristigen Projekten vereinbare ich mit dem Auftraggeber ein Pauschalhonorar, welches allerdings unterm Strich nicht viel geringer als der Tagessatz ist. Angebote, die nicht meinen Vorstellungen entsprechen, nehme ich schon nicht seit zehn Jahren grundsätzlich nicht mehr an. Basta!

Liebe Kollegen, überlegt doch einmal: Rechtsanwälte, Architekten, Ärzte etc. haben Ihren Honorarrahmen fest abgesteckt. Fragt dich einmal einen Rechtsanwalt, ob er euch für acht Euro die Stunde berät?

Die Freiberuflichkeit von Journalisten hat Tradition, eine anständige Bezahlung für gute Arbeit aber nicht.Es gibt Honorarempfehlungen vom DJV, die von Journalisten und Auftraggebern sprichwörtlich mit Füßen getreten werden. Selbst schuld.Ich arbeite lieber weniger und verdiene gutes Geld.

Am Anfang war es schwer. Aber mit der Zeit haben sich meine Auftraggeber an mein Honorar gewöhnt.Selbst die Agenturen, die aufgrund meiner Forderungen zunächst nicht mehr zu meinem Kundenkreis gehören wollten, sind teilweise wieder da und bieten mir Aufträge an. Also, keine Angst vor berechtigten Honorarforderungen.

Ach ja, die drei Cent! Ich würde jedes Angebot, welches unter einem Tagessatz von 100 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer und Kosten hier im Forum angeboten wird, nicht mehr veröffentlichen. Auch Angebote mit prozentualer Beteiligung erachte ich als unseriös.

Hessenreporter 21.02.2011 00:42

AW: Frage: Bezahlung 3 Cent /Wort - sollen solche Angebote im Jobforum veröffentlicht werden?
 
Zitat:

Zitat von Tom Schmidt (Beitrag 80358)
Ich würde jedes Angebot, welches unter einem Tagessatz von 100 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer und Kosten hier im Forum angeboten wird, nicht mehr veröffentlichen. Auch Angebote mit prozentualer Beteiligung erachte ich als unseriös.

Darum geht es bei den 3-Cent-Jobs aber nicht. Es geht darum, kurze Texte zur "Verschönerung" der Homepage des Auftraggebers zu schreiben. Oder - wie ich mir angesichts der geforderten Texte mittlerweile denke - um ein wenig "getarnte" Werbung für eine Internetseite, die in thematisch passende Foren gestreut werden soll. Arbeitsaufwand: ca. 20 Minuten pro Text.

Dafür zahlt aber niemand einen Tagessatz. Das ist nicht nur Low-Budget, das ist No-Budget - entsprechend ist das gebotene Honorar.

Tom Schmidt 21.02.2011 15:29

AW: Frage: Bezahlung 3 Cent /Wort - sollen solche Angebote im Jobforum veröffentlicht werden?
 
Etwas umschreiben..so ein bißchen...jaja? Blödsinn! Du schreibst eine Meldung und bringst mit deiner journalistischen Schreibe einen komplexen Sachverhalt auf den lesenswerten Punkt. Wahrscheinlich auch unter Berücksichtigung von SEO - Merkmalen. Dazu gehören Erfahrung und eine qualifizierte Ausbildung. Oder: Warum werden Meldungen von Anfängern in Redaktionen von Redakteuren redigiert?

Dein Auftraggeber verdient an deiner qualifizierten Arbeit einen Haufen Geld und du lässt dich mit Almosen abspeisen. Wenn jemand drei Cent pro Wort bietet, soll er doch seine Kinder, die die fünfte Klasse besuchen,schreiben lassen. So lässt sich immerhin das Taschengeld eines elfjährigen Schülers auffrischen, aber nicht der Verdienst eines Journalisten.

Hessenreporter 22.02.2011 08:01

AW: Frage: Bezahlung 3 Cent /Wort - sollen solche Angebote im Jobforum veröffentlicht werden?
 
Umgekehrt wird ein Schuh daraus: Nur aufgrund journalistischer Erfahrung ist es überhaupt möglich, diese Texte innerhalb kürzester Zeit zu schreiben. Ein "11jähriger Schüler" wäre dazu nicht in der Lage.

Ich widerspreche nicht, daß die Bezahlung mehr als kläglich ist. Ich verweise nur darauf, daß es nicht ehrenrührig ist, wenn man das bißchen Klimpergeld quasi im Vorbeigehen mitnimmt.

Bei 1 Stunde Arbeitsaufwand täglich lassen sich problemlos 6 € / Tag erreichen. Bei 5 Arbeitstagen sind das 120 € / Monat. Vom PC aus. Ohne sich großartig zu bemühnen. Sag' das mal einem 1€-Jobber, der für ähnliche Einkünfte evtl. die Straße kehren muss.

textnstories 22.02.2011 14:47

AW: Frage: Bezahlung 3 Cent /Wort - sollen solche Angebote im Jobforum veröffentlicht werden?
 
Bitte löschen bzw. nicht aufnehmen. Diese Angebote sind für Menschen, die von diesem Beruf leben wollen, ein Schlag unter die Gürtellinie, die oft sowieso schon eng geschnallt wirkt...

hed 23.02.2011 02:23

AW: Frage: Bezahlung 3 Cent /Wort - sollen solche Angebote im Jobforum veröffentlicht werden?
 
Kurz und bündig: NEIN.

Reporterin 23.02.2011 09:15

AW: Frage: Bezahlung 3 Cent /Wort - sollen solche Angebote im Jobforum veröffentlicht werden?
 
Hallo Alle,

damals habe ich mich sehr über diese Angebote beschwert.

Heute sehe ich das gaanz anders. Ich denke, diese Angebote trennen die Spreu vom Weizen, sowohl unter den Journalisten, als auch unter den Kunden.

Es gibt einfach Kunden, denen reicht ein Mofa, andere Kunden wollen eine Honda oder besser noch eine Harley. Schaut mal, welche Kunden in ihrem eigenen Segment erfolgreicher am Markt sind.........

Die Mofafahrer werden, weil diese Angebote herausgenommen werden, sich deswegen keine Harley kaufen.

Petersen 23.02.2011 15:09

AW: Frage: Bezahlung 3 Cent /Wort - sollen solche Angebote im Jobforum veröffentlicht werden?
 
Also ich denke, man wird sicherlich nicht reich mit diesem Beruf, aber es gibt echt Menschen, die gerne schreiben und so kann jeder irgendwie starten. Gleich zu einer richtigen Zeitung kommen nur die wenigsten.

Macit 24.02.2011 22:19

AW: Frage: Bezahlung 3 Cent /Wort - sollen solche Angebote im Jobforum veröffentlicht werden?
 
Zitat:

Zitat von Hessenreporter (Beitrag 80366)

Bei 1 Stunde Arbeitsaufwand täglich lassen sich problemlos 6 € / Tag erreichen. Bei 5 Arbeitstagen sind das 120 € / Monat. Vom PC aus. Ohne sich großartig zu bemühnen. Sag' das mal einem 1€-Jobber, der für ähnliche Einkünfte evtl. die Straße kehren muss.

Sorry, aber ich bin kein 1 Euro-Jobber. Und nach Praktika, Studium, Volo und massig Berufserfahrung muss ich mich nicht von meiner Arzthelferin mitleidig anlächeln lassen, weil sie am Ende des Monats mehr auf dem Konto hat als ich.

Diese 1 Cent/2 Cent...6 Cent/Wort - Angebote gehören in die Tonne. Mal ein Beispiel: Ich tippe gerade meinen Stehsatz fürs Wochenende zusammen. Bislang sind das zwei größere Geschichten drei kleine und drei Meldungen (1380 Wörter). Insgesamt also einige Termine, Telefon-/Internet-Recherchen, Schreiben. Kommen bei sorgfältiger, aber zügiger Arbeit schnell rund 12 - 14 Stunden zusammen. Dafür gäb's dann bei 3 Cent/Wort 41,50 Euro.

Leute, das kann nicht Euer Ernst sein. Auch wenn's nur um das Umformulieren von Einstiegen oder das Schönschreiben von Internet-Texten geht: Wer sich als gelernter Journalist auf so was einlässt, der macht allen anderen Profis ebenfalls die Preise kaputt.

Die Auswirkungen sind ja schon lange zu sehen: Da werden von Gewerkschaften und Berufsverbänden Löhne für Freie beschlossen, die anschließend auf ein Blatt Papier gedruckt und den Journalisten geschickt werden. Das Blatt Papier soll man dann seinem Verleger auf den Schreibtisch legen. Sorry, aber ich bin nicht lebensmüde. Als Pauschalist in der Lokalredaktion bekomme ich etwas mehr als die Hälfte von dem, was da auf diesem Wunderpapier steht. Und mein Chef hat das Gefühl, dass er mich unverschämt gut bezahlt.

Warum das alles? Weil Hinz und Kunz sich für ein Snickers und zwei Kino-Freikarten beim Konkurrenzblatt dicke Reportagen aus dem Ärmel schütteln. Weil sich jeder Blogger als Journalist, Redakteur oder Reporter ausgibt. Weil es niemanden mehr interessiert, weil niemand mehr guten von schlechtem Journalismus unterscheiden kann.

Das ist das Problem. Anstatt, dass sich mal eine Lobby bildet, die Berufsbezeichnung Journalist schützen lässt und ein verbindliches Tarifsystem für alle journalistischen Erzeugnisse (meinetwegen auch nach Sparten gestaffelt) einführt, gibt's nur ab und an mal den erhobenen Zeigefinger eines DJV oder DJU - Funktionärs, der die Verlage so viel interessiert wie Helmut Kohl die Light-Produktreihe im LIDL.

Also können wir uns nur wehren, indem wir die absoluten Sklavenlöhne ausschlagen.

Raus mit solchen Angeboten!

admin 25.02.2011 09:31

AW: Frage: Bezahlung 3 Cent /Wort - sollen solche Angebote im Jobforum veröffentlicht werden?
 
Hallo Leute,
ich halte mal den Stand der Umfrage fest:

Laut Umfrage - Stand heute - sind 80 Prozent der Teilnehmer der Meinung, dass niedrigpreisige Jobangebote hier nicht erscheinen sollen. Ich denke das ist eindeutig und ich werde mich bemühen, solche Angebote in Zukunft auszusieben.

Ihr müsst mir dabei aber auch helfen: Bei vielen Jobangoten werden keine Honorare angegeben. In solchen Fällen bin ich auf Eure Rückmeldung angewiesen. Bitte mailt mir in solchen Fällen die Honorarhöhe.

Zum anderen: Die Betrachtungsweise, was ein Dumping-Preis ist und was nicht, ist subjektiv. Wir sind uns einige dass ein Honorar von 3 Cent pro Wort zu niedrig liegt. Soweit gut und das sollte als Richtlinie gelten.

Trotzdem kann und wird es vorkommen, dass ich mir die Freiheit nehme, auch mal schlecht bezahlte Jobs zu veröffentlichen. Dann vor allem, wenn die Rahmenbedingungen das Angebot "interessant" erscheinen lassen.

Zum Beispiel kann ein schlechtbezahltes "Praktikum" auf einem Forschungsschiff im Pazifik für Berufsanfänger karrierefördernd sein. Hier sehe ich die Bezahlung sowieso nicht als Honorar an, sondern eher als Aufwandsentschädigung. Bitte habt also Verständnis, wenn ich mir auch in Zukunft die Freiheit nehme, bisweilen gegen die "Regeln" zu verstoßen. Nach dem Motto: Keine Regel gegen Ausnahme. ;-)


Liebe Gruss
Peter
Journalismus.com

Hessenreporter 25.02.2011 18:38

AW: Frage: Bezahlung 3 Cent /Wort - sollen solche Angebote im Jobforum veröffentlicht werden?
 
Zitat:

Zitat von Macit (Beitrag 80385)
Sorry, aber ich bin kein 1 Euro-Jobber. Und nach Praktika, Studium, Volo und massig Berufserfahrung muss ich mich nicht von meiner Arzthelferin mitleidig anlächeln lassen, weil sie am Ende des Monats mehr auf dem Konto hat als ich.

Das kommt doch ein wenig überheblich rüber, um ehrlich zu sein. Nur wegen einer gewissen Vorbildung wird man nicht automatisch Großverdiener.

Diese Angebote sind halt nichts für selbsternannte "Edelfedern". Ich kenne auch Leute, die leere Getränkedosen aus Abfallbehältern fischen und das Pfand kassieren. Finde ich okay. Ich würd's nicht tun, aber ich rege mich darüber auch nicht auf.

Freak 26.02.2011 00:09

AW: Frage: Bezahlung 3 Cent /Wort - sollen solche Angebote im Jobforum veröffentlicht werden?
 
Zitat:

Zitat von Reporterin (Beitrag 80369)
Hallo Alle,

damals habe ich mich sehr über diese Angebote beschwert.

Heute sehe ich das gaanz anders. Ich denke, diese Angebote trennen die Spreu vom Weizen, sowohl unter den Journalisten, als auch unter den Kunden.

Es gibt einfach Kunden, denen reicht ein Mofa, andere Kunden wollen eine Honda oder besser noch eine Harley. Schaut mal, welche Kunden in ihrem eigenen Segment erfolgreicher am Markt sind.........

Die Mofafahrer werden, weil diese Angebote herausgenommen werden, sich deswegen keine Harley kaufen.


Ich fürchte es verhält sich anders: Viele Kunden wollen eine Harley zum Preis eines Second Hand-Fahrrads, die fliegen, schwimmen, sprechen und auch noch Kaffee kochen kann. Schlimmstenfalls klauen sie anschließend auch noch das Teil und man muss klagen. :(

Es ging hier wohl eher darum, solche Leute / Angebote auszuschließen. Daher finde ich die Entscheidung von Peter sehr gut.

Macit 27.02.2011 14:16

AW: Frage: Bezahlung 3 Cent /Wort - sollen solche Angebote im Jobforum veröffentlicht werden?
 
Zitat:

Zitat von Hessenreporter (Beitrag 80391)
Das kommt doch ein wenig überheblich rüber, um ehrlich zu sein. Nur wegen einer gewissen Vorbildung wird man nicht automatisch Großverdiener.

Ein gutes Argument für den nächsten Arzt-/Anwaltsbesuch... ;)

Von Überheblichkeit kann überhaupt keine Rede sein. Ich habe großen Respekt vor allen arbeitenden Menschen. Den Respekt will ich aber auch zurück. Leider heißt es in unserem Geschäft aber oft: "Was, für die paar Wörter wollen Sie 100 Euro haben?" Wenn es dann noch Leute aus der Branche gibt, die solche "Argumente" tatsächlich nachvollziehen können, dann gute Nacht.

Schreiben kann ich auch für mich alleine. Im Beruf gilt: can't pay - won't play! Und damit lebe ich - oh Wunder - ganz gut. Muss nämlich meine Familie davon ernähren.

Wer das nicht nötig hat, kann aber natürlich gerne noch Geld mitbringen, um einen Auftrag zu ergattern. Die Frage ist nur, wer am Ende wirklich überheblich ist: der Berufsjournalist oder der engagiert freigeistige Dumping-Schreiber.

birk 28.02.2011 23:33

AW: Frage: Bezahlung 3 Cent /Wort - sollen solche Angebote im Jobforum veröffentlicht werden?
 
3 cent pro Wort sind eine Frechheit für jeden Journalisten. Wer "umschreiben von Texten" für dieses Geld als sein Beruf sieht, ist für mich auch kein Journalist, das hat auch nichts mit Edelfeder zu tun. Bevor ich sowas mache, gebe ich lieber Nachhilfe, gehe mit Hunden spazieren oder sowas, da mache ich noch was sinnvolles und fülle nicht irgendwelche Content-Farmen oder so ein Mist.

Tom Schmidt 01.03.2011 12:07

AW: Frage: Bezahlung 3 Cent /Wort - sollen solche Angebote im Jobforum veröffentlicht werden?
 
Wenn zu Guttenberg einen Ghostwriter gehabt haben sollte...dann könnte man spekulieren, dass dieser Schreiberling wohl nicht mehr als drei Cent pro Wort bekommen hat.

Tipp:Wer Zeit und Muße hat, kann ja ältere Angebote in diesem Forum durchforsten. Vielleicht wird man fündig?..lol

VPNordwest 01.03.2011 12:58

AW: Frage: Bezahlung 3 Cent /Wort - sollen solche Angebote im Jobforum veröffentlicht werden?
 
Zitat:

engagiert freigeistige Dumping-Schreiber.
So einer bin ich. Als ich das Thema gelesen habe, war ich erst versucht zu jubeln. 3 Cent pro Wort. Ich bekomme bei einer lokalen Zeitung 12,5 Cent - pro Zeile.

Allerdings ist das nicht mein Hauptberuf. Und da ist der Ansatzpunkt. Wer einen versierten Autor sucht, soll den bitte auch anständig entlohnen. Denn der Autor muss im Normalfalle seinen Lebensunterhalt mit dem Schreiben verdienen. Und bei 3 Cent pro Wort wird man nicht unbedingt große Sprünge machen können.

Insofern kann ich für mich nach Lesen des Threads ausschließen, so ein Angebot anzunehmen, auch wenn es für mich als "Laie" natürlich verlockend wäre. Aber ich würde dadurch im schlimmsten Falle Existenten bedrohen oder sogar zerstören. Und das ist nicht dass, was ich will. Ich danke dem TO für die Öffnung meiner Sicht und hoffe, das andere genau so denken.

Texte-Büro 01.03.2011 21:51

AW: Frage: Bezahlung 3 Cent /Wort - sollen solche Angebote im Jobforum veröffentlicht werden?
 
Ich bin auch kein Freund dieser Billig-Texte. Aber scheinbar denken alle, bei solchen Jobangeboten handelt es sich um journalistische Arbeit. Das ist aber zu 99 Prozent nicht der Fall. Die Aufträge lauten zum Beispiel eher schreibe 300 Wörter über Mallorca oder 300 Wörter über die Automarke VW. Dafür braucht es keine große Recherche, keine Termine, kein sonstwas. Es gibt zum Beispiel einen Kunden, für den schreibe ich für 5 Cent je Wort. Dadurch verdiene ich ich einer Stunde 30 Euro. Bei anderen Kunden verlange ich für zwei Seiten Text mit 6000 Zeichen 300 Euro. Aber da ist der Aufwand eben viel größer, sodass der Stundenlohn auf gleichem Niveau sein wird. Daher kann man nicht pauschal sagen, ob 5 Cent pro Wort viel oder wenig sind.

Hessenreporter 03.03.2011 09:01

AW: Frage: Bezahlung 3 Cent /Wort - sollen solche Angebote im Jobforum veröffentlicht werden?
 
Zitat:

Zitat von Macit (Beitrag 80400)
Ein gutes Argument für den nächsten Arzt-/Anwaltsbesuch... ;)

Auch Ärzte oder Anwälte werden nicht automatisch wohlhabend, nur weil sie Ärzte oder Anwälte sind. Ich befürchte, das ist ein sich hartnäckig haltendes Vorurteil. Gilt auch für Apotheker. Erst gestern bemerkte ich, daß ein Apotheker hier im Ort eine Ecke im Laden freigeräumt hat, der nun als "DPD Paket-Shop" dient. Auch dort hängt der Himmel nicht voller Geigen.

Iris68 05.03.2011 00:10

AW: Frage: Bezahlung 3 Cent /Wort - sollen solche Angebote im Jobforum veröffentlicht werden?
 
Das Problem liegt doch nicht bei den Kunden, sondern bei den Anbietern...

Die Nutten auf dem Straßenstrich verhauen nicht die Kunden, die nach einem 15-Euro-Service fragen, sondern die Kolleginnen, die ihn anbieten.

Die Frage ist doch, warum solche 3-Cent-Inserenten nicht lange nach Bewerbern suchen müssen. Im Gegenteil, sie werden mit Angeboten überschwemmt.

Mir zeigte mal ein Redaktionsleiter die Bewerbungen für solche 3-Cent-Jobs. 9 von 10 Bewerbern hatten einen Hochschul-Abschluss.

Für mich folgt dann die Frage, warum selbst Lokalredaktionen Diplom-Journalisten nur als Volontäre einstellen.

Ich studiere also 5 Jahre Journalismus und brauche dann ein Volontariat, damit ich über die neue Umgehungsstraße oder den neuen Vorstand des Taubenzüchtervereins schreiben darf.

Was haben mir dann die Professoren 5 Jahre lang erzählt?

Da stimmt doch etwas nicht.

Warum müssen so viele Hochschul-Absolventen Billig-Jobs annehmen? Weil sie für besser bezahlte Jobs überqualifiziert sind?

Das glaube ich nicht...

Eine Germanistik- oder Soziologieabsolventin ist nicht überqualifiziert dafür, einen Bericht von der Stadtrats-Versammlung zu schreiben.

Eher ist es doch so, dass die meisten Ich-habe-studiert-und-dann-viele-viele-Praktika-gemacht-„Journalisten” den Bericht auch nicht besser hinbekommen, als die Reporterin der örtlichen Schülerzeitung.

Wer doch heute eine Journalistin oder einen Journalisten für eine Berichterstattung sucht, wird doch erst einmal von den Zuschriften unendlich vieler Möchte-gern-Journalisten überflutet.

Die 3-Cent-Angebote sind legitim. Wesentlich unfairer finde ich es, wenn jemand, der genau weiß, dass er journalistisch nichts hinbekommt, journalistisches Können vorgaukelt.

Die 3-Cent-Anbieter schaden unserem Beruf nicht. Unserem Beruf schadet die Masse von Möchtegerns, die sich als Journalist bezeichnet, aber keine professionelle Reportage hinbekommt.

Ich wage zu behaupten, dass die Masse der angeblichen SEO-Texter von Search-Engine-Optimation nur laienhafte Kenntnisse hat.

Sich öffentlich als Journalist zu bezeichnen, ist oft schon peinlich, weil einen die Leute als Spinner und Hungerleider einstufen.

Wie jeder auf den ersten Blick leicht erreichbare Beruf – wie Kneipier, Nagelstudiobesitzerin, Immobilienmakler, Mediengestalter – zieht auch der Journalistenberuf eine Staubwolke vieler Traumtänzer nach sich.

Und klar, die Masse der Traumtänzer wird nicht so bezahlt, wie die Profis.

Das ist doch absolut in Ordnung so.

Und wer lässt sich schon pro Wort bezahlen? Kein Rechtsanwalt würde sich wie eine Schreibkraft für eine Klageschrift pro Wort bezahlen lassen. Kein Arzt würde seine Diagnose pro Wort in Rechnung stellen.

Meine Arbeit besteht doch nicht in der Zahl der Worte, sondern in der journalistischen Leistung.

Die exklusive 50-Worte-Meldung über einen überraschenden Politiker-Rücktritt ist doch mehr wert als der Bericht über die Jahreshauptversammlung des örtlichen Fischerei-Vereins.

Und das 3.000-Worte-Interview mit George Clooney ist doch mehr wert als das 3.000-Worte-Interview mit dem örtlichen JU-Vorsitzenden.

Und das soll alles gleich bezahlt werden? Hauptsache, 3.000 Worte.

Wer sich also auf eine Pro-Wort-Bezahlung einlässt, der wertet damit automatisch seine Arbeit ab. Er reduziert die kreative journalistische Leistung auf schnödes Hintippen möglichst vieler Worte.

Das ist aber nicht die Schuld der Job-Anbieter.

Hessenreporter 05.03.2011 21:57

AW: Frage: Bezahlung 3 Cent /Wort - sollen solche Angebote im Jobforum veröffentlicht werden?
 
Zitat:

Zitat von Iris68 (Beitrag 80478)
Für mich folgt dann die Frage, warum selbst Lokalredaktionen Diplom-Journalisten nur als Volontäre einstellen.

Ich denke, das wäre mal ein anderes, dankbares Diskussionsthema, gehört aber wohl eher nicht in diesen Themenstrang hinein.

Es muß jeder selbst wissen, ob er für Cent-Beträge Texte schreibt. Jeder, der dies tut, hat gute Gründe dafür. Das muß man akzeptieren.

Reporterin 06.03.2011 11:56

AW: Frage: Bezahlung 3 Cent /Wort - sollen solche Angebote im Jobforum veröffentlicht werden?
 
Solange es Leute gibt, die so schludrige Arbeit abliefern, so lange wird es auch Kunden geben, die diese Preise bezahlen.

http://www.journalismus.com/_talk/sh...ad.php?p=80475

Schweinswal 06.03.2011 23:56

AW: Frage: Bezahlung 3 Cent /Wort - sollen solche Angebote im Jobforum veröffentlicht werden?
 
Ich glaube, es ist viel einfacher. So lange es genügend Leute gibt, die bereit sind, für so wenig Geld zu arbeiten, werden die Auftraggeber nicht mehr zahlen.
Dazu kommt, dass nach meinem Eindruck die Verlage immer weniger an hochwertigen Inhalten interessiert sind. Jedenfalls solange die Leser nicht scharenweise weglaufen. Bis zu einem gewissen Grad ist das allerdings auch verständlich. Für Berichte über Stadtrats- und Ausschusssitzungen, Schützenfeste oder Karnevalssitzungen braucht man in der Tat nicht unbedingt besonders versierte Schreiber und begnadete Rechercheure.
Warum haben nun aber viele Zeitungen seit 20 Jahren ihre Honorarsätze nicht erhöht? Sind die freien Mitarbeiter, die heute im Lokalen arbeiten, weniger qualifiziert als früher? Das Gegenteil ist der Fall. Nur sind ihre Qualifikationen für den Job eben nicht erforderlich. Die formalen ebenso wenig wie die praktischen. Erforderlich ist nur ein gewisses Mindestmaß an Qualität, das nicht dauerhaft unterschritten werden darf. Und das sehr viele Leute in der Lage sind, abzuliefern.

Das gilt nicht nur für Freie. Z.B. berichtete mir mal eine Volontärin in der Redaktion, in der ich "fester Freier" war, sie habe nun in so einem Seminar erfahren, dass sie eigentlich noch nie eine Reportage geschrieben habe. Hm, ja, sagte ich, im Grunde sind das alles Features. Wann erscheint auf den Lokalseiten schon mal eine echte Reportage.
Da ging mir auf, dass noch nicht einmal die Kenntnis der Definitionen journalistischer Textformen verwertbares Wissen nicht. Jedenfalls nicht bei einer stinknormalen Regionalzeitung.


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