Journalismus.com Forum

Journalismus.com Forum (http://www.journalismus.com/_talk/index.php)
-   Volontariat - Studium - Praktikum - Ausbildung (http://www.journalismus.com/_talk/forumdisplay.php?f=13)
-   -   Mal wieder: Frage zum Studium (http://www.journalismus.com/_talk/showthread.php?t=30305)

Spliff 22.05.2011 13:25

Mal wieder: Frage zum Studium
 
Hallo zusammen,

als frischgebackener Abiturient mit großartigen bis naiven Lebensträumen steht man - wie so viele andere - auch vor der Frage: Was studiere ich denn bloß um in den Journalismus zu kommen?

Die Antworten gehen traditionsgemäß auseinander: Manche sagen, es ist total egal, raten aber von Journalistik-Studiengängen ab. Andere finden Medien- und Kommunikationswissenschaften furchtbar, aber Germanistik ist nun auch wieder nicht so toll.
Klar, frag zehn Menschen und du erhältst zehn unterschiedliche Meinungen.

Ich habe mich jetzt auf Politikwissenschaft festgelegt (einfach aus dem Grund, weil es mich interessiert und ich gerne im politischen Journalismus arbeiten möchte), im Nebenfach schwanke ich nun zwischen Soziologie oder Medien- und Kommunikationswissenschaften.

Gerade letzteres finde ich auch um einiges interessanter als Soziologie (wobei es ja "nur" ein Nebenfach ist), wollte mich aber mal umhören, was die Journalismus-Szene so dazu sagt:
Lieber Finger weg? Oder ruhigen Gewissens studieren?
Und auch zum Thema Politikwissenschaft: Empfehlenswert oder bringt mir das unter dem Strich doch nichts?

Danke und Grüße!

cookie 22.05.2011 22:48

AW: Mal wieder: Frage zum Studium
 
Studier das, was dich interessiert - alles andere macht dich nicht glücklich. Ob dich pw weiterbringt, wird sich dann erst noch entscheiden. Wenn du aber der Meinung bist, dass PW dich definitiv mehr als Soziologie interessiert, dann mach das - sonst wirfst du dir später vor "hätte ich doch..."

superloony 25.05.2011 18:24

AW: Mal wieder: Frage zum Studium
 
Wenn Du dich hier umschaust, siehst Du: Fast alle geben Dir den gleichen Tipp wie cookie. Studier, wofür Du Dich interessierst. Das würde ich auch unterschreiben.

Ich würde mir aber auf jeden Fall die Studieninhalte der Fächer an der Uni Deiner Wahl näher anschauen. Ist Medien- und Kommunikationswissenschaft eher eine empirische Sozialwissenschaft, wie zum Beispiel KW an der Uni München? Das heißt: Rezeptionsforschung, Analyse der Themensetzung von Tageszeitungen etc. Oder geht es eher in die Richtung einer hermeneutischen Wissenschaft, die sich auf der Grundlage von kulturwissenschaftlichen Theorien im weitesten Sinne mit ihrem Forschungsobjekt auseinandersetzt. So macht es zum Beispiel die Theater- und Medienwissenschaft an der Uni Erlangen.

Grundsätzlich übernehmen KW und PW Einiges an Methoden aus der Soziologie, aber auch die traditionelle Medienwissenschaft hat Theorien wie die Systemtheorie von Niklas Luhmann längst für sich entdeckt.

Eine weitere Frage, die interessant sein könnte: Wie groß ist der Praxisanteil? Gibt es journalistische Übungen, bei der man die Grundlagen von Radio-, Fernseh- oder Printjournalismus erlernt. Gibt es vielleicht ein externes Angebot zB vom Studentenradio - oder könntest Du bei der örtlichen Zeitung Dir die ersten Sporen verdienen?

Auch das wird Dir hier jeder sagen: Wenn Du Journalist werden willst, kommst Du ohne Studium nicht mehr weit. Die Konkurrenz ist einfach zu groß. Das A und O aber ist die praktische Erfahrung. Das heißt: Schreiben bei der Lokalzeitung und Praktika, Praktika, Praktika.

Iris68 26.05.2011 00:14

AW: Mal wieder: Frage zum Studium
 
@Spliff: Wenn Du dich hier umschaust, siehst Du: Fast alle geben Dir den gleichen Tipp wie cookie. Studier, wofür Du Dich interessierst. Wenn du dann aber in der Berufsgruppenzuordnung nachsiehst, dann liest du „Auszubildender, Volontär, Student, Schüler”.

Ein 40-jähriger Redakteur auf Arbeitssuche würde das nicht mehr so leicht unterschreiben.

Er steht heute bei den Verlagen Controllern gegenüber, die den einstellenden Chefredakteur fragen, warum er einen 40-jährigen für 5.000 Euro im Monat einstellt, wenn dieselbe Arbeit ein 22-jähriger mit großer Begeisterung für 400 Euro im Monat macht.

Hat dann dieser 40-jährige nichts Spezielles und keine schlüssige Laufbahn vorzuweisen, erzählt, dass er Germanistik oder Medienwissenschaft studiert hat, dann kann er den neuen Job vollkommen vergessen.

Eine 24-jährige Germanistin oder Medienwissenschaftlerin kommt sicher noch leicht unter. Ihr Gehalt ist für einen Verlag noch erträglich. Ein 40-jähriger Germanist oder Medienwissenschaftler wird aber als Bewerber bei einer Tageszeitung größte Schwierigkeiten haben.

Beruflich steht er schlechter da, als jemand mit Banklehre und darauf logisch aufbauender Berufslaufbahn.

Der Germanistik-Journalist präsentiert 2 Ausbildungsgänge, die nicht zusammenpassen und dazu auch noch äußerst schwierige Anstellungsaussichten bieten.

Ich habe auch noch nie verstanden, warum jemand in jungen Jahren – den wichtigsten Ausbildungsjahren seines Lebens – Rezeptionsforschung und hermeneutische Wissenschaft betreibt, wenn sein Lebenstraum Journalismus ist.

Oder wie fühlt sich eine Germanistin oder Medienwissenschaftlerin auf der Jahreshauptversammlung des Schützenvereins oder auf dem Dorffest der örtlichen Feuerwehr? Warum studiert jemand Hermeneutik, wenn er dann den Rest seines Lebens über den Bau von Umgehungsstraßen, über städtische Kläranlagen und die Einweihung von Vereinsheimen schreiben will?

Wenn ich in den Journalismus will, dann ist mein Lebenstraum doch, dass ich so gute Geschichten schreibe, wie in STERN und SPIEGEL. Oder in WirtschaftsWoche oder Auto Motor und Sport. Warum vertreibe ich dann meine Zeit jahrelang mit kulturwissenschaftlichen Theorien?

Würde ich heute nochmals von vorne anfangen, dann würde ich entweder in Missouri Journalismus oder sonst irgendwo Betriebswirtschaft studieren.

Und wenn ich ganz fies wäre, dann würde ich gleichzeitig meinen künftigen Konkurrenten raten, dass sie einfach das studieren, was ihnen gerade Spaß macht...

cookie 26.05.2011 00:34

AW: Mal wieder: Frage zum Studium
 
worauf willst du hinaus, Iris? Dass man sich fachlich mehr in Richtung Journalismus spezialisieren soll? Oder dass man sich was solides suchen soll? Oder sich einen möglichst reißerischen Lebenslauf "zusammenleben" sollte?

Wie man es macht, es ist verkehrt.
Mach ich mein KW Studium ists zu theoretisch. Studier ich das, was mir Spaß macht, bin ich später der Verlierer und überhaupt, wenn ich eine Lehre mach und Journalist werden will, bekomm ich eh nichts, weil ein Studium ja fast Vorraussetzung ist.
Und wenn ich dann etwas fachlich korrektes mit Zukunft studiere, das mich aber kein Stück interessiert, dann bin ich unglücklich.

Ich denke, wir wissen alle, dass es in diesem Beruf nicht einfach ist und auch nicht einfacher werden wird. Und die Frage nach der Wahl des Berufsweges ist so wie die Frage ob zuerst das Huhn oder das Ei da war.

Im Prinzip gibt jeder einen unterschiedlichen Ratschlag, oder das was er mal gehört hat oder meint damit glücklich zu sein. Wenn ich nun schreibe "Hör auf dich selbst" bringt dem TE das aber genauso wenig weiter.

Fakt ist, dass man als angehender Nachwuchsjournalist seine verschiedenen Wege hat. Und etwas konkretes zu sagen, ist irrsinnig.

Eigentlich ist die Idee Journalist zu werden irgendwie keine allzu gute Idee, wenn man davon leben möchte, wenn da nicht die Leidenschaft wäre...

Miriam86 26.05.2011 09:21

AW: Mal wieder: Frage zum Studium
 
Ein 40-jähriger Journalist hat in der Regel so viel Erfahrung, dass er gar nicht mehr nach seinem Studium gefragt wird.

Iris68 26.05.2011 10:07

AW: Mal wieder: Frage zum Studium
 
@Miriam86: Woher weißt du das? Woher weißt du, dass ein 40-jähriger Journalist in der Regel so viel Erfahrung hat, dass er gar nicht mehr nach seinem Studium gefragt wird?

osa 26.05.2011 10:36

AW: Mal wieder: Frage zum Studium
 
als ahnungslose Anfängerin würde ich die These in den Raum stellen, dass der 40Jährige sich mit der Stellensuche schwertut, wenn er keine Spezialisierung hat!?
Miriam, du selbst hast erzählt, dass du dich während deines Volontariats in eine Richtung spezialisiert hast (social media, oder?), die du so erst einmal nicht geplant hattest.
Wenn ein Redakteur 15 Jahre lang in einer Lokalredaktion über Umgehungsstraßen, Vogelzüchtervereine und Diskussionen im Gemeinderat geschrieben hat, weiß er wahrscheinlich von allem ein bisschen, er wirkt aber m.E. profillos. Er kann in seiner Redaktion aufgehen, Spaß an der Arbeit haben, aber wenn er sich umorientieren muss, dann wird er mit Sicherheit Schwierigkeiten haben und der Jungredakteurin, die die Hälfte verdient, den Vortritt lassen müssen.

Aber was bringt es mir, wenn ich ein Fach studiere, dass mich nicht begeistert? Was bringt mir ein BWL Studium, wenn ich nicht mit Zahlen umgehen kann? Was bringt mir ein Politologiestudium, wenn ich es studiere, nur weil sich das für einen Journalisten so gehören könnte?

Als Absolventin, mit der Erkenntnis, dass es als Literaturwisssenschaftlerin (Russistik) nicht so einfach ist was zu finden, glaube ich, wir sollten das Studium anders sehen. Die Zeit an der Uni sind Jahre, in denen man sich ausprobieren, das Leben genießen und sich über seine berufliche Zukunft Gedanken machen kann. Dafür sollte man es auch nutzen. Ich glaube, gute Leistungen kann man nur dann erzielen, sowohl im Studium als auch im Beruf, wenn man sich für das was man macht begeistern kann.

Ein Lebenslauf muss nicht reißerisch sein, aber jemand, der sich engagiert, journalistische Erfahrung hat und noch mit seinem ungewöhnlichen Studium auffällt, wird wahrscheinlich bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben. Ein Garant für ein Volontariat und die gleich darauf folgende feste Redakteursstelle ist es bestimmt nicht.

An die erfahreneren unter euch: welchen Wert hat denn ein stringenter Lebenslauf?

Miriam86 26.05.2011 11:42

AW: Mal wieder: Frage zum Studium
 
Zitat:

Zitat von Iris68 (Beitrag 81467)
@Miriam86: Woher weißt du das? Woher weißt du, dass ein 40-jähriger Journalist in der Regel so viel Erfahrung hat, dass er gar nicht mehr nach seinem Studium gefragt wird?

Weil ich in den zehn Jahren, die ich Journalismus mache und in den zehn Redaktionen, in denen ich gearbeitet habe, genug 40-Jährige kennengelernt habe. Bei der Zeitung, bei der ich jetzt bin, wurden vor wenigen Wochen drei eingestellt - bei keinem hat das Studium eine Rolle gespielt.


Zitat:

Zitat von osa (Beitrag 81468)
Wenn ein Redakteur 15 Jahre lang in einer Lokalredaktion über Umgehungsstraßen, Vogelzüchtervereine und Diskussionen im Gemeinderat geschrieben hat, weiß er wahrscheinlich von allem ein bisschen, er wirkt aber m.E. profillos. Er kann in seiner Redaktion aufgehen, Spaß an der Arbeit haben, aber wenn er sich umorientieren muss, dann wird er mit Sicherheit Schwierigkeiten haben und der Jungredakteurin, die die Hälfte verdient, den Vortritt lassen müssen.

Es gibt weitaus mehr Journalisten, die im Lokalen arbeiten und genau diese Themen abackern. Da liegt es dann mitunter auch an einem selbst, sich ein Profil zu erarbeiten - und wer sich mit Umgehungsstraßen (Finanzierung, Baumaßnahmen, Behörden) auskennt, hat auch ein Profil. Bei uns wurde vor einem Jahr einer eingestellt, weil er jahrelang über die A1-Baumaßnahmen berichtet hat... Und wie viele Lokaljournalisten wollen mit 40, 50 nochmal die große Karriere machen?

Spliff 26.05.2011 12:12

AW: Mal wieder: Frage zum Studium
 
Liebe Leute,

vielen Dank erstmal für eure Antworten! Im Grunde habt ihr mein Bauchgefühl bestätigt, nämlich genau auf selbiges zu hören und das zu studieren, was einen interessiert und (hoffentlich) auch Spaß macht.

Politikwissenschaft ist zwar ein klassischer und nicht gerade außergewöhnlicher Studiengang, aber es ist genau das, was mich interessiert. Auch wenn es ausgefallenere Studiengänge gibt, die vielleicht sogar meine Chancen auf ein eventuelles Volontariat erhöhen würden, sehe ich keinen Sinn, etwas zu studieren und mich durchzuquälen, was mich nicht die Bohne interessiert.

Und dass nebenbei die Erfahrungen und Praktika ohnehin eine größere Rolle spielen, wurde hier ja auch deutlich.

Vielen Dank an euch nochmal!

Iris68 26.05.2011 14:26

AW: Mal wieder: Frage zum Studium
 
@Miriam86: Du bist ja im Moment Volontärin bei einer Tageszeitung? Stimmt’s? Die haben nun vor wenigen Wochen drei 40-jährige Redakteure eingestellt – und du weißt: „Bei keinem hat das Studium eine Rolle gespielt.“ Woher weißt du das?

Du schreibst: „Bei uns wurde vor einem Jahr einer eingestellt, weil er jahrelang über die A1-Baumaßnahmen berichtet hat.“

Stimmt das wirklich?

Spielen diese A1-Baumaßnahmen oder andere Straßenbauten bei deiner Zeitung wirklich eine so große Rolle, dass die einen Redakteur deshalb einstellen, „weil er jahrelang über die A1-Baumaßnahmen berichtet hat... ” ??????

Du weißt: „Wer sich mit Umgehungsstraßen (Finanzierung, Baumaßnahmen, Behörden) auskennt, hat auch ein Profil.“ Aber welche Zeitung, außer deiner, stellt einen 40-jährigen Redakteur für 5.000 Euro im Monat ein, weil er (glaubt, dass er) sich mit Umgehungsstraßen auskennt?

Welche Zeitung braucht einen hoch bezahlten Straßenspezialisten, der Germanistik oder Medienwissenschaft studiert hat?

Viele Lokaljournalisten WOLLEN nicht nur mit 40, 50 nochmal die große Karriere machen. Die MÜSSEN. Weil ihre Jobs wegrationalisiert worden sind. Weil sie aus Kostengründen aus der Redaktion gemobbt worden sind. Oder weil sie endlich auch mal Feierabende und freie Wochenenden genießen wollen.

Für die sehe ich nur 2 Chancen:

Chance #1: Sie schreiben so gute Geschichten, dass sie auch schwierige Aufträge annehmen können, die ihnen wirklich Geld bringen. Das sind also Aufträge, die ihnen kein 20-jähriger 400-Euro-Praktikant wegschnappen kann. Deshalb würde ich heute in Missouri oder bei einer anderen Topp-Schule (vielleicht in Köln) studieren.

Chance #2: Sie können aufgrund ihrer Ausbildung auf andere Jobs ausweichen: Geschäftsführender Redakteur, Unternehmenssprecher, Mitarbeiter im Marketing, Gründer eines eigenen Unternehmens. Deshalb würde ich heute lieber BWL statt Germanistik, Russistik oder Medienwissenschaft studieren.

Dabei spreche ich aber nur für mich. Ich empfehle hier also nicht der ganzen Welt, dass sie BWL studieren soll. Das mache ich auch schon deshalb nicht, weil ich die Probleme mit Integral- , Differential- und Matrixrechnung sehr gut kenne.

Noch etwas: Die Medien-Unternehmer sind doch nicht dumm. Die lesen auch Sätze wie „studiere einfach, was dir Spaß macht” und fragen sich dann, warum sie einem Redakteur mehr Gehalt zahlen sollen als ihrem Buchhalter, der bei seiner Ausbildung meist weniger Spaß hatte.

Miriam86 26.05.2011 16:12

AW: Mal wieder: Frage zum Studium
 
Zitat:

Zitat von Iris68 (Beitrag 81473)
@Miriam86: Du bist ja im Moment Volontärin bei einer Tageszeitung? Stimmt’s? Die haben nun vor wenigen Wochen drei 40-jährige Redakteure eingestellt – und du weißt: „Bei keinem hat das Studium eine Rolle gespielt.“ Woher weißt du das?

Weil einer kein Studium hat - kann ergo also keine Rolle gespielt haben.

Zitat:

Zitat von Iris68 (Beitrag 81473)
Du schreibst: „Bei uns wurde vor einem Jahr einer eingestellt, weil er jahrelang über die A1-Baumaßnahmen berichtet hat.“ Stimmt das wirklich?

Jap, er hat als Freier in einer Aussenredaktion gearbeitet und schaffte es mit seinen wirklich guten A1-Artikeln immer wieder ins Hauptblatt - und arbeitet seit September fest im Hauptblatt.

Ich denke durchaus, dass in den deutschen Lokalzeitungen (aber du wohnst ja in den USA, nicht wahr? Vielleicht ist da ja alles ganz anders...) Baumaßnahmen der wichtigsten Autobahn (weil Tausende Pendler) eine große Rolle spielen.

Niemand hat übrigens was von 5000 Euro gesagt, nicht wahr? Wir wollen doch bei der Wahrheit bleiben...


Zitat:

Zitat von Iris68 (Beitrag 81473)
Welche Zeitung braucht einen hoch bezahlten Straßenspezialisten, der Germanistik oder Medienwissenschaft studiert hat?

Hoch bezahlt wird in Deutschland ja kaum mehr ein Zeitungsjournalist, daher würd ich das mal direkt streichen. Und wie gesagt, wenn jemand sich ein Profil erarbeitet hat als Journalist, wird er meiner Erfahrung nach nicht mehr nach dem Studium gefragt. In meinem beiden letzten Bewerbungsgesprächen wurd ich übrigens auch nicht danach gefragt - wohl aber danach, was ich bislang so für Texte geschrieben haben, in welchen Gebieten, wo meine größten Interessen und Kompetenzen liegen.


Zitat:

Zitat von Iris68 (Beitrag 81473)
Viele Lokaljournalisten WOLLEN nicht nur mit 40, 50 nochmal die große Karriere machen. Die MÜSSEN. Weil ihre Jobs wegrationalisiert worden sind. Weil sie aus Kostengründen aus der Redaktion gemobbt worden sind. Oder weil sie endlich auch mal Feierabende und freie Wochenenden genießen wollen.

Und woher weißt du das?

Bei dem negativen Bild, das du hier immer zeichnest, frag ich mich, warum du Journalist geworden bist. Es scheint ja eine ganz schreckliche Branche zu sein, bei der man gegen seine Interessen arbeiten muss, weil man sonst keinen Job findet und mit 40 dann auch noch rausgemobbt wird. Und danach dann doch einen anderen Beruf wählen muss, wenn man nicht täglich mit Tausenden 21-jährigen Germanistikstudenten konkurrieren will - die aber ja sowieso keinen Job kriegen, weil sie Germanistik studiert haben...

Iris68 26.05.2011 20:31

AW: Mal wieder: Frage zum Studium
 
@Miriam86: Also, der Beleg dafür, dass bei keinem von drei neu eingestellten Redakteuren das Studium eine Rolle gespielt hat, ist diese Tatsache hier:

„Weil einer kein Studium hat – kann ergo also [das Studium] keine Rolle gespielt haben.“

Ich wohne nicht in den USA.

Ich sprach nicht von 5.000 Euro, weil ich nicht bei der Wahrheit bleiben will, sondern weil ich davon ausgehe, dass ein 40-jähriger Redakteur seine tariflichen 5.000 Euro verdienen möchte.

Du schreibst:

„Hoch bezahlt wird in Deutschland ja kaum mehr ein Zeitungsjournalist, daher würd ich das mal direkt streichen. Und wie gesagt, wenn jemand sich ein Profil erarbeitet hat als Journalist, wird er meiner Erfahrung nach nicht mehr nach dem Studium gefragt.“

Das weißt du schon aus deiner Erfahrung als Volontärin. Damit habe ich kein Problem.

So, und dann kommen wieder deine Textinterpretationen...

„Bei dem negativen Bild, das du hier immer zeichnest, frag ich mich warum du Journalist geworden bist. Es scheint ja eine ganz schreckliche Branche zu sein, bei der man gegen seine Interessen arbeiten muss, weil man sonst keinen Job findet und mit 40 dann auch noch rausgemobbt wird.“

Dass bei Zeitungen der Mittelbau wegbricht, ist Branchengespräch. Dafür muss ich in einem Journalisten-Forum keine wissenschaftlichen Beweise mehr vorlegen.

Und wenn ich in einem Journalisten-Forum sage, welche Ausbildung ich heute wählen würde, dann zeichne ich damit kein negatives Bild, sondern beschreibe neue Herausforderungen, wie sie in fast jedem Beruf vorkommen.

Aber das ist für mich nicht negativ, weil ich längst akzeptiert habe, dass in diesem Beruf nicht alles nur Spaß macht.

Warum aber willst du Berufsanfänger unbedingt davon überzeugen, dass es egal ist, was sie studieren? Kommt es dir nicht in den Sinn, dass du das einmal ganz anders erkennst, falls du tatsächlich für einige Jahre als Redakteurin gearbeitet hast?

punky 26.05.2011 21:03

AW: Mal wieder: Frage zum Studium
 
@Iris: Das Studium spielt bei der Auswahl der Volos ja schon kaum eine Rolle, warum sollte es dann auf einmal wichtig sein, wenn es um Redakteursstellen geht?
Und: Was für ein Profil soll man sich denn bei einer stinknormalen Tageszeitung erarbeiten? Entschuldige, aber ein Wirtschaftsredakteur, der in der Lage ist, ein paar Zeilen aus einem dpa-Text zu kürzen, hat in meinen Augen weniger Profil als ein Lokaljournalist, der in der Lage ist, gute Themen zu finden und die auch ansprechend aufzuarbeiten. Lokaljournalismus ist nunmal die einzige wirkliche Überlebenschance für die Zeitungen, da das das Internet nicht in diesem Maße auffangen kann. (Wenn die Zeitungen nicht so blöd wären, ihre ganze Inhalte kostenlos online zu stellen.)

Iris68 27.05.2011 00:37

AW: Mal wieder: Frage zum Studium
 
Es geht nicht nur darum, was für eine Ausbildung die Herren Verleger verlangen, sondern vor allem darum, welches Wissen man später in Geld umsetzen kann.

Ich glaube, wir sind uns hier einig, dass man für die Arbeit bei einer Tageszeitung lediglich dafür ein Studium braucht, damit man ein Stück Papier vorweisen kann. Für die Arbeit an sich ist es unwichtig.

Journalisten müssen aber immer stärker damit rechnen, dass sie irgendwann mal ihren Job verlieren und dann frei oder in einem anderen Beruf arbeiten müssen.

Aber selbst bei einer Tageszeitung hilft es einem Redakteur, wenn er zum Beispiel bei seiner Recherche über die Kosten einer Baumaßnahme, sagen kann, dass er Betriebswirtschaft studiert hat.

Auch ein Arbeitgeber geht mit einem Betriebswirt anders um, als mit einem Germanisten oder Medienwissenschaftler. Denn er weiß, dass der Betriebswirt im Streitfall relativ leicht einen anderen Job findet.

Aber nochmals, ich erwarte nicht, dass jetzt jeder BWL oder Journalismus in Missouri oder New York studiert. Ich sage nur, dass ich das tun würde. Ich bin aber nicht die ganze Welt.


Alle Zeitangaben in WEZ +2. Es ist jetzt 07:06 Uhr.

Powerd by Journalismus.com
Das Internetportal der Journalisten
Copyright © - Journalismus.com - Peter Diesler