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Alt 25.03.2014, 01:25   #183
ChrisH
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Standard AW: Frage: Bezahlung 3 Cent /Wort - sollen solche Angebote im Jobforum veröffentlicht werden?

Ich habe mich extra für dieses Forum angemeldet, um diese Frage auch beantworten zu können.

Wie habe ich diese 3-Cent-Plattform textbroker.de kennen gelernt? Ganz einfach! Man gehe auf ein Portal, das studentischen Jobsuchern Arbeit anbietet. Dort findet man, neben lukrativen Angeboten von bis zu 25 Euro/Std. auch textbroker. Noch nie davon gehört... Aber neugierig bin ich dann doch und melde mich an. Ich möchte wissen, wie es "innen drin" aussieht. Welche lukrativen Aufträge werden an Studenten (bin ich nicht mehr) vergeben? Mir juckt's in den Fingern, ich will in die Tasten hauen, mal was ganz anderes schreiben. Ich freue mich schon auf die vielen Angebote.

Ich melde mich an. Sie möchten einen Beispieltext. Na gut. Ich suche einen von früher aus, der ungefähr die Länge von 200 Wörtern hat. Es gibt nicht viele davon, denn ich bin eher ein Langschreiber, recherchiere sehr gerne, gehe in die Tiefe. Hab dann doch einen gefunden, schicke ihn los und warte gespannt auf die Antwort.
Nächster Tag. Endlich, endlich ist die Mail da. Sie haben mich genommen! Wie werden sie mich wohl eingestuft haben? Meinen Artikel hielt ich für eine 3. War nicht mein bester. Einfach zu kurz. Aber dann, eine glatte 4!Oh, welche Freude! Ich kann es kaum erwarten, zu den lukrativen Angeboten zu kommen, logge mich ein und klicke mich durch, hechel von einem Auftrag zum anderen.

Was ich dann sah, kann ich bis heute nicht glauben. Da wird verlangt, dass man nicht nur sorgfältig recherchiert (oh ja, das kann ich!), sondern auch noch eine Arbeit abliefert, für die jeder Deutschlehrer dieses Landes eine glatte Eins geben würde. Dagegen habe ich nichts. Ich liiiiebe Recherchieren!

Doch die Zahlen sind ernüchternd. Ab € 2,60 bis € 11,70 würde ich verdienen können. Letzteres gilt für eine geforderte Wortzahl von 900. Sorgfältig recherchieren, mich richtig einlesen, die genauen Anweisungen des Kunden befolgen, geschrieben auf einem DIN-A4 großen Blatt, das soll ich auch noch für diesen Hungerlohn?

Ich fasse es nicht. Da habe ich doch vor Jahrzehnten bereits als (damals) freiberufliche Werbetexterin an einem kleineren Auftrag schon so viel verdient, dass es für die Miete reichte. Dieses hier ist Ausbeutung vom Feinsten und darüber hinaus ein Geschäftsmodell, das hoffentlich nicht Schule macht.

Ich bin für einen absoluten Boykott dieser Seite. Lediglich die 5er haben hier eine Chance, etwas zu verdienen, aber auch die hier angebotenen 6,5 ct. sind eindeutig zu wenig. Ein 4er bekommt magere 2,2 ct. und darüber hinaus noch Aufträge, über deren Umfang man nur den Kopf schütteln kann. Die Kunden, die dort schreiben lassen, kommen mir vor wie Freier vom Straßenstrich, die es billig und schnell haben möchten. Nur dass es sich hier um geistige Ausbeutung handelt. Nein, ich verkaufe mich nicht unter Wert.
Wieviel bekommt man bei Aldi an der Kasse? Für den Gegenwert von einer Stunde Waren scannen müsste ich bei textbroker wahrscheinlich den ganzen Tag arbeiten. Dafür habe ich nicht studiert.

Für mich war es nur ein Test, aber für viele andere ist es bittere Notwendigkeit und sie machen dort mit, - das bei einer Einstufung ab 1,3 ct./Wort. Mein Sohn, Student, verdient gerade ca. 20 Euro/Tag für's Nichtstun auf seiner Internetseite, nachdem er vorher allerdings sehr intensiv und sorgfältig Content eingepflegt hatte und es auch an gelegentlichen Aktualisierungen nicht mangelt. Ich kann deshalb jedem nur empfehlen, arbeitet in eure eigene Tasche und lasst euch nicht ausbeuten. Solche Seiten verderben die Preise auch für hochwertige Schreibe. Ich bekomme Tränen in die Augen, wenn ich hier lese, was einige für qualifizierte journalistische Arbeit verdienen. Das geht einfach nicht.

In diesem Zusammenhang würde mich interessieren, ob jemand bereits von Anfang an mit der lukrativeren Fünf eingestuft wurde, ohne dass die Betreiber vorher von einer journalistischen Ausbildung bzw. Tätigkeit (angewandte Psychologie! ) informiert wurden.

Ach ja, natürlich habe ich mit einem klaren Nein gevotet. Mir geht's da wie Christopher , der sich auch über die heutigen Dumping-Preise wundert:

Zitat:
"Hallo leute letzte we habe ich einen Bericht über JobBörsen im TV gesehen und ich fand es ganz schön erschrekent für was für Preise da Aufträge angenommen werden. Beispiel Tapizieren einer 90m2 Wohung für 350 Euro."
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