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Alt 01.11.2009, 14:02   #5
mia
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Standard AW: Von hinten durchs Knie ...

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Natürlich ist Handwerk wichtig. Aber das Handwerk lässt sich lernen und wer ein Studium hinter sich gebracht hat, dem wird man auch das intellektuelle Niveau dafür zutrauen dürfen ("Talent"). Nochmal: Es ist ganz, ganz viel Handwerk und das kann man sich schneller aneignen als ein fundiertes, akademisches Fachwissen.
Das stimmt nicht. Eine gute Schreibe hat mit "intellektuellem Niveau", wie du es nennst, erst mal wenig zu tun, wie man an vielen Veröffentlichungen auch hochrangigster Wissenenschaftler ablesen kann. Bei Bandwurmsätzen, Substantivierungen bis die Schwarte kracht und krausen Satzaufbauten stellen sich dem sprachsensiblen Menschen leider oft die Haare zu Berge. Journalismus und Wissenschaft sind einfach zwei Paar Schuhe. Viele Menschen werden in ihrer Schreibe auch erst an der Uni so richtig verdorben, und müssen sich später mühsam wieder angewöhnen, für den Normalmenschen zu formulieren - so sie "in die Medien" wollen. Da ist der lebhafte Lokalzeitungs-Bericht übers Feuerwehrfest, über die Gemeinderatssitzung oder die Taubenzüchter die beste Übung, die man sich vorstellen kann. Wer das gering schätzt sollte sich überlegen, ob er oder sie tatsächlich in diesen Beruf möchte.

Aber vielleicht reden wir auch aneinander vorbei, und sowohl du als auch die Fragestellerin denken allein an Fachmedien? Dann überlies das hier einfach, im Wissenschaftsjournalismus oder bei Fachportalen im Netz ist ein fundiertes Fachwissen selbstverständlich wichtiger als Kischpreis-verdächtiges Formulierungstalent.

Was ich nur sagen wollte ist: Nicht jeder, der eine Hochschule besucht hat, erwirbt damit automatisch die Befähigung zum anschaulichen, unterhaltsamen Darstellen von Sachverhalten und zum Erzählen von Geschichten (denn darum geht es beim klassischen Genre Gerichtsreportage). Wer gut schreiben will, muss vor allem eins tun: Schreiben, schreiben, schreiben. Die Themen sind erst mal zweitrangig.

Es ist ja auch nicht so, dass die Armada all jener, die Praktika machen, als Freie in Lokalredaktionen arbeiten und seit Jahren in den Startlöchern für ein Volo sitzen, nicht studiert hätten. Im Gegenteil. Viele Von ihnen sogar Jura.

Das Studium ist im Journalismus heutzutage leider keine heißbegehrte Zusatzqualifikation, sondern Grundvoraussetzung.

Geändert von mia (01.11.2009 um 17:47 Uhr).
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