Einzelnen Beitrag anzeigen
Alt 14.08.2015, 03:05   #198
Nina70
Neuer Benutzer
 
Registriert seit: 14.08.2015
Beiträge: 1
Renommee-Modifikator: 0 Nina70 wird positiv eingeschätzt
Standard AW: Frage: Bezahlung 3 Cent /Wort - sollen solche Angebote im Jobforum veröffentlicht werden?

Sorry, aber manche Kommentare reizen meine Lachmuskeln. Da gibt es wohl Menschen irgendwo im elitären Journalistenland, die nix im Kühlschrank haben, Honorare einklagen, tagelang recherchieren und Fahrtkosten selbst tragen müssen, aber dafür ach so anspruchsvolle Aufträge haben, die dann -einmal im Monat- mit einigen hundert Euro vergütet werden. Diese Elitären regen sich über andere Menschen auf, die außerhalb der Elite tätig sind, aber die sich sagen: Lieber schreibe ich einen Text, der nicht hochanspruchsvoll ist, aber dafür bekomme ich Geld, von dem ich mir was zu essen kaufen, meine Miete bezahlen, mein Auto tanken, mein Kind ernähren kann. Ihr lieben Elitären, lasst euch sagen, dass man sich Anspruch leisten können muss. Hört bitte auf, all diejenigen zu verunglimpfen, die vom Schreiben leben möchten, ohne Hunger zu leiden. Es funktioniert, mit einem, mit zwei oder mit drei Cent pro Wort. Nach einiger Zeit seid ihr auf so vielen Gebieten versiert, dass ihr keine Recherche mehr braucht. Keine Fahrtkosten. Keine nervige Akquise. Schreibe 100 Worte in fünf Minuten, macht 1.200 pro Stunde. Bleiben wir bei 2 cent pro Wort. 24€ Stundenlohn ... Sechs Stunden Arbeit am Tag, jedes Wochenende frei, etwa 2.500€ verdient ... Genug, um mehrmals im Monat einkaufen zu gehen. Viele Menschen, die acht Stunden arbeiten, zwei Stunden Fahrtweg zur Arbeit haben und im Schichtdienst unterwegs sind, träumen von einem solchen Verdienst. Und wenn der Kunde zufrieden ist, dann ist es kein Müll, der produziert wird, sondern es ist eine Dienstleistung, die im Übrigen von Google ins Leben gerufen wurde. Ich habe einen Master in der Germanistik, habe Lehraufträge angenommen, die wesentlich schlechter bezahlt wurden, und mich irgendwann entschieden, von dem elitären Zug abzuspringen. Seitdem geht es mir und meinem Konto blendend. Wie ich schon sagte: Anspruch muss man sich leisten können ... verblödet bin ich nach sechs Jahren als Contenttexter übrigens noch nicht. Nach meinem Sechsstundentag im heimischen Büro habe ich genug Zeit, mich anspruchsvoller Literatur hinzugeben und meine Fremdsprachenkenntnisse zu pflegen. Packt mich die Reiselust, nehme ich meinen Laptop und fahre ein paar Wochen ins Ausland. Arbeiten kann ich überall, ich brauche nur einen Internetzugang. Jeder Beruf kann spannend sein. Es kommt immer darauf an, was man daraus macht. Ich möchte mit keinem der elitären Journalisten tauschen. Und ich bin überzeugt davon, dass ich sowohl in Bezug auf meinen Kontostand als auch in Anbetracht meiner geistigen Fähigkeiten -trotz der verblödenden Fließband-Arbeit- mit vielen, die sich hier maßlos aufregen, mithalten kann. Leben und leben lassen ... Was spricht gegen die Veröffentlichung der Angebote? Wir sind alle mündig und können selbst entscheiden, ob wir sie annehmen möchten oder nicht.
Nina70 ist offline   Mit Zitat antworten