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Alt 28.12.2011, 15:14   #95
Schweinswal
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Reden AW: Frage: Bezahlung 3 Cent /Wort - sollen solche Angebote im Jobforum veröffentlicht werden?

Zitat:
Zitat von Il(l)u Beitrag anzeigen
Nö, da musst nur journalistisch Arbeiten! So lange Du aber Journalismus mit Textern verwechselst, sehe ich da schwarz!

Gehe in die Kriegsgebiete, gehe nach Cannes oder Venedig, treibe ich in den Kaffehäusern der Diplomatenviertel herum, schau mal in Neuköln vorbei, ..."
Sprichst Du da aus Erfahrung? Für mich klingt das eher wie eine schwärmerische Darstellung aus den Zeiten des "rasenden Reporters" Egon Erwin Kisch.

Davon abgesehen, ging es doch wohl weniger darum, was einen "zum Journalisten macht", sondern darum, wie man als Journalist finanziell überleben kann. So wie ich das sehe, bewerkstelligen das mittlerweile die meisten freien Journalisten, indem sie sich ihr Hobby Journalismus mit PR und anderen Nebentätigkeiten finanzieren. Was in der Summe dazu führt, dass mit Journalismus für alle noch weniger Geld zu verdienen ist, da die Verlage ja stets jemanden finden, der seine Texte noch billiger abliefert.

Auf der anderen Seite gehen inzwischen tatsächlich die Bewerbungen auf Volontariatsplätze zurück. Was Wunder, besteht doch meist kaum noch eine Chance auf Übernahme. Zugleich steigt der Frauenanteil unter den Bewerbern immer weiter an. Worauf könnte das wohl hindeuten?
Um es auf den Punkt zu bringen: Nach meinem Eindruck wird es darauf hinauslaufen, dass Journalismus sich immer mehr zu einer Freizeitbeschäftigung für finanziell abgesicherte Menschen entwickelt. Ein schönes Hobby zwecks Selbstverwirklichung gelangweilter Frauen gutverdienender Männer (manchmal auch umgekehrt), Rentnern oder Lottogewinnern. So ähnlich wie Töpfern, Papierschöpfen und andere kreative Hobbys.

Natürlich gibt es einem ein gutes Gefühl, wenn man zur Abwechslung mal wirklich journalistisch arbeitet und z.B. eine große Sozialreportage über ALG-II-Empfänger verfasst. Nur sollte man dann besser nicht allzu lange über den eigenen Stundenlohn nachdenken, den man damit erwirtschaftet. Der dürfte nämlich sehr wahrscheinlich unter dem Hartz-IV-Satz liegen. Nach meinen Erfahrungen bin ich auch leider nicht so optimistisch, was die Begeisterung möglicher Auftraggeber anbelangt.
Selbst wenn ich eine solche Geschichte dem örtlichen, altlinken Stadtmagazin anbieten würde, wäre ich auf Nachfragen folgender Art gefasst: Worin liegt der Aktualitätsbezug? Wurde darüber nicht schon so oft berichtet? Was ist das Neue an der Geschichte?
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