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Alt 29.12.2009, 17:49   #6
p.eng
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Standard AW: Interview-Vertrag

Vorneweg: Ich bin keine Juristin, gebe aber gern ein paar Anhaltspunkte aus der journalistischen Praxis und hoffe, das hilft bei der weiteren Recherche.

Zunächst einmal hast du schon recht mit deiner Sorge: Das Recht an den Antworten in deinen Interviews haben deine Interviewpartner - deshalb darfst du beispielsweise nicht heimlich ein Gespräch mitschneiden (Recht am eigenen Wort, §§ 201 f StGB).

In der Praxis ist es meiner Erfahrung nach anstelle von schriftlichen Verträgen eher üblich, die Erlaubnis zur Veröffentlichung stillschweigend zu bekommen. Paradebeispiel dafür ist das Kamerateam, das mit Puschelmikro in der Fußgängerzone O-Töne einholt. Da sollte ich als Passantin davon ausgehen, dass zur Veröffentlichung gedacht ist, was ich sage.

Analog dazu könntest du eine stillschweigende Einwilligung dieser Art folgendermaßen anbahnen: Du legst dein Aufnahmegerät auf den Tisch bzw. baust die Kamera auf, schaltest an, sagst zuerst einmal so was wie "Herr/Frau XY, Sie sind hoffentlich damit einverstanden, dass ich das Gespräch aufzeichne?" und nimmst auch gleich die Antwort mit auf. Ob dieses Prozedere juristisch wasserdicht ist, solltest du allerdings unbedingt vorher mit einem Fachmann besprechen!

Von schriftlichen Verträgen weiß ich nur bei wirklich heiklen Themen. Einen Vertragsentwurf kannst du zunächst einmal anlehnen an das, was Fotografen in Sachen "Recht am eigenen Bild" praktizieren - allgemein bekannt als "Model Release". Schau zum Beispiel mal auf der Website von Freelens oder bei den Journalistengewerkschaften. Bei letzteren kannst du außerdem rechtlich prüfen lassen (zumindest sofern du Mitglied bist), was du als Interviewvertrag verwenden möchtest.

Unbedingt beachten solltest du dann auch: Sobald ein Interviewpartner "autorisieren" oder "gegenlesen" möchte, darfst du das Gesagte ohne dessen Freigabe nicht veröffentlichen.
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