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Alt 11.01.2013, 17:55   #10
Miriam86
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Standard AW: Journalismus als zusätzliche Ausbildung

Ich gebe Shalyn im zweiten Post absolut recht: Du brauchst auf jeden Fall menschliche Kritiker, klar lernst du nur durch Übung, aber nur aus einem Buch lernt man nicht.

Aber zum anderen Statement: Klar gibt es Zeitungen, die Tarif zahlen - aber nur an Redakteure, die schon da sind. Diese Tarifzeitungen haben nahezu alle diese schönen süßen kleinen Tochter- oder Fremdfirmen, Leiharbeits- und Zeitarbeitsfirmen. Und da verdient man dann die von mir angesprochenen Summen und nicht die Tarifsumme. Neuanstellungen sind fast ausschließlich über diese Firmen. Kann man auf den Seiten von DJV und DJU auch genug zu lesen, wird ja oft genug angeprangert. Schön im Tarif bleiben, damit man das Siegel hat, aber hintenrum solche Kinkerlitzchen treiben.

Vor drei, vier Jahren hat Haller eine Studie herausgebracht, dass auf 600 fertige Volos und Absolventen von Journalistenschulen eine Festanstellung kommt. Seit dem wurde es schlechter, nicht besser: Schaut euch im Printsektor um, allein seit November: Aus für Financial Times Deutschland, rund 100 Journalisten. dapd hat nach der Insolvenz 100 Leute entlassen. Berliner Zeitung entlässt rund 20 Leute. Bei der FR sind schon etliche Leute über Sozialabbau gegangen in den letzten Jahren, bei ner Insolvenz sind es weitere 120 Journalisten (und selbst wenn es einen Investor gibt, werden wohl einige gehen müssen). Hamburger Abendblatt verliert seinen Mantel (und damit Stellen). Wiesbadener Tageblatt, Wiesbadener Kurier und Mainzer Allgemeine werden zusammengelegt (damit fallen Stellen weg). Prinz gibt es nur noch online, die Printausgaben fallen weg. Und ich habe ganz sicher noch einige vergessen...

Ein freier Journalist verdient in Deutschland im Schnitt brutto 2500 Euro, habe ich mal an der Akademie für Publizistik gelernt.

Mal als Anschauungsbeispiel: Nach meinem Volo 2011 habe ich rund zwei Wochen nach Stellen geschaut, eine ausgeschrieben, habe mich zweimal beworben (einmal initiativ) und hatte die Auswahl zwischen drei Stellen (eine davon immer am Tarifvertrag orientiert, eine 2300 Euro brutto und eine 2500 Euro brutto). Bei meinem Jobwechsel vor einem Jahr habe ich mich vier Wochen intensiver umgeschaut, es gab drei Stellenausschreibungen, hab einige Initiativbewerbungen geschrieben und ich konnte wieder zwischen drei Stellen wählen (eine Tarif, zwei tariforientiert). Nun schaue ich seit acht Wochen. Eine einzige Anzeige im Print-Bereich. Für 2400 Euro.
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