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Fragen und Antworten Fragen und Antworten zum Journalismus

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Alt 19.05.2011, 16:21   #1
hakantee
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Renommee-Modifikator: 0 hakantee wird positiv eingeschätzt
Standard Wann wird man an einer Journalistenschule eingeladen?

Hi,

da ich hier oft die Frage gelesen habe, wann man an JS eingeladen wird, dachte ich mir, ich beantworte die Frage. Ich wurde an der DJS eingeladen. Meine Antwort findet ihr -> hier <- (da ist auch das "Beweisfoto"). Da ich diesen Eintrag aber nicht als Werbung für mich oder meinen Blog nutzen will, poste ich den Eintrag in Gänze.

_

Wann wird man an einer Journalistenschule eingeladen?

Und – die viel wichtigere Frage – wann wird man abgelehnt? Vorneweg: Ich habe mich insgesamt dreimal beworben, davon gingen zwei Bewerbungen an die Deutsche Journalistenschule und eine an die Henri-Nannen. Die Bilanz ist, dass ich bei der Henri-Nannen im ersten Verfahren abgelehnt wurde, bei der DJS letztes Jahr zum Test eingeladen und dann abgelehnt und jetzt, seit gestern, angenommen wurde. Ich kann also ein wenig was dazu erklären. Und übrigens: Weiter unten findet ihr meine diesjährige Bewerbungs-Reportage für die DJS.

Ich saß in der Redaktion des SZ-Magazins und überlegte mir, wie ich mein Thema interessanter machen könnte. Mein Gedankengang war: Wenn mehr als 2000 Menschen die Unterlagen anfordern und davon 700 tatsächlich Reportagen einschicken, dann muss ich irgendwie herausstechen. Also muss unbedingt ein Twist her. Ursprünglich entschied ich mich für das Bundeswehr-Thema (hier sind alle Themen der letzten Jahre zu finden), der Twist sollte sein, dass ich eine homosexuelle Person porträtiere. Etwas mehr Spannung aufbauen, herausstechen und anders sein, der Punkt auf i sein. Ich sprach zwei der Redakteure darauf an, beide reagierten exakt gleich; sie rieten mir davon ab.

“Besser ist, Du hältst Dich exakt an die Aufgabe. Es reicht vollkommen aus, wenn Du das machst, was man von Dir verlangt. Es geht nicht so sehr darum, dass Du einen kreativen Zugang zum Thema findest, es geht eher darum, dass Du zeigst, auf den Punkt genau liefern zu können, was von Dir erwartet wird. Wenn Du jetzt das Thema noch mal extra spannend machst, dann ist das zwar nett von Dir, es wurde aber weder verlangt, noch hat es einen Vorteil.” (fiktives Zitat)

Also habe ich mich dagegen entschieden. Ich begleitete S-Bahn-Kontrolleure einen Tag lang bei der Arbeit und schrieb anschließend darüber meine Reportage. Trocken, aber genau das, was man von mir verlangte. Und ich wurde eingeladen. Wie im Jahr zuvor auch, als ich über einen Totengräber schrieb, also ebenfalls auf den Punkt genau das, was man erwartete. Und ich wurde auch letztes Jahr eingeladen. Kurz gesagt: Wenn man nahe am Thema bleibt, macht man auf keinen Fall was falsch. Das zu wissen ist, glaube ich, für viele Bewerber wichtig.

So, und jetzt zur Henri-Nannenschule. Ich entschied mich für das Thema “Tag der Entscheidung: gut vorbereitet und trotzdem nervös”. Es war das Thema mit dem meisten Spielraum, ich dachte, probier es doch mal aus, reiz das Thema bis an die Grenze und sei kreativ.

Also entschied ich mich dazu, in die Rolle eines Sprühers zu schlüpfen, und zwar an dem Tag, bevor er zum ersten Mal loszieht, um eine S-Bahn zu besprühen. Das Thema ist sehr weit ausgelegt, keine Frage, aber ich dachte mir wieder, dass da ein Twist hermüsse. Es gibt 1 000 Artikel über Sprüher, fast ausnahmslos alle sind schlecht geschrieben und haben langweilige Ansätze, ist doch gut, wenn man das investigativ macht. Ich habe mir also Sprüher gesucht und bin mit ihnen malen gegangen (da spielt natürlich die Frage mit, ob man das als Journalist darf, ich habe das für mich bejaht). Was ist passiert? Ich wurde abgelehnt. Selbstverstädnlich kann das auch daran liegen, dass die Juroren a.) meinen Text scheiße fanden oder b.) den von mir geschriebenen Kommentar nicht mochten, möglich ist alles.

Trotzdem denke ich, dass man sich bei seiner Bewerbung an einer Journalistenschule unbedingt an das Skript halten sollte. Ich tat es zweimal und wurde eingeladen, tat es einmal nicht und wurde abgelehnt.

Hier also die Reportage, dank der ich dieses Jahr eingeladen wurde.

__________________________________________________ ______________

Von Beruf her unsympathisch

Kontrolleure nutzen ihren Job als Waffe und verstecken sich hinter Vorschriften – das sorgt für Unbeliebtheit.

Sie werden sie verpetzen. Das ist ihr Job. Nur deswegen stehen Herr V. und Frau R. vor der jugendlichen Frau und fragen nach Alter, Name und der Straße, in der sie wohnt. In der Zeit, die sie dazu brauchen, die Daten in ihr klobiges Gerät einzugeben, hätte die Jugendliche bestimmt zehn SMS geschrieben. Die Ungeduld in ihren Augen signalisiert, dass es ihr hier zu lange dauert. Herr V. aber lässt sich nicht aus der Routine reißen, ignoriert die zappelnden Füße, tut so, als spüre er die Regentropfen nicht, die nur in seinen Haaren landen, weil sie den Regenschirm so fest dreht und die Tropfen überspringen. „Geht das nicht schneller, ich muss in die Schule?“, sagt sie noch, aber auch das überhört Herr V. Er ist im Recht, da lässt er sich doch nicht hetzen. Fünf Minuten vergehen, bis die Schwarzfahrerin ihre Quittung bekommt – in Beamtendeutsch: Die Fahrpreisnacherhebung. Den Fetzen Papier kaum in den Fingern, hastet sie bereits Richtung Ausgang, ohne ihn eines weiteren Blickes zu würdigen. Seit zwei Jahren wird Herr V. mit dieser Ablehnung konfrontiert. Und ganz unschuldig ist er nicht.

Das hellblaue Hemd und die dunkelblaue Restuniform, die schwere Umhängetasche, deren Gurt Herr V. in die Halsschlagader schneidet, sodass er in regelmäßigen Abständen mit vollem Körperschwung das Gewicht verlagert, die Schwarzfahrer, bei denen keine Nachsicht gezeigt werden darf, selbst, wie sie sich ihre freie Zeit einteilen – einfach alles ist vorgeschrieben. Frau R. lehnt an der Wand und zieht an einer Zigarette, streng genommen darf sie auch das nicht, aber sie winkt ab. Je mehr sie rauche, desto schneller vergehen die 18 Minuten, bis die nächste S-Bahn komme. Alles was zu tun ist – Ticketentwerter zu überprüfen – sei in einer Minute erledigt. Also zündet sie sich noch eine Zigarette an.

In München gibt es 117 Fahrkartenkontrolleure und alle tragen Uniform, sie zu erkennen ist also kein Problem. Dass das nicht weiter schlimm ist, zeigt eine kleine Rechnung: Pro Werktag befördern in München 1 060 S-Bahnen knapp 800 000 Menschen, davon sind 2,5% ohne Ticket unterwegs. Das heißt: In jeder S-Bahn sitzen rein statistisch gesehen 19 Schwarzfahrer. Und tatsächlich: Egal, in welche S-Bahn Herr V. und Frau R. einsteigen, sie steigen immer mit einem Schwarzfahrer aus.

Aber trotzdem wollen die beiden Kontrolleure ungesehen bleiben, sie haben sogar ein paar Tricks parat. In der Innenstadt, wenn die S-Bahnen voller sind, bleibt V. nach dem Einsteigen so nah an der Tür, dass er fast noch in der Lichtschranke steht. Ist die S-Bahn leerer, wie im Außenbezirk von München, setzen sich beide ins Abteil. „So wird man nicht gesehen.“, flüstert Frau R.. Sie grinst. Sie flüstert durchgehend, es sei denn, sie fühlt sich klar im Recht.

Ein Beispiel ist die zu spät kommende Frau, die die S-Bahn nur knapp erreicht und ihren Fuß zwischen die Türen steckt, weil diese sich dann automatisch wieder öffnen. Frau R. wird pampig, ein schneller Satz und ihre 1 Meter 60 bäumen sich vor der jungen Frau auf, sie wird so laut, dass sie zu sächseln beginnt: „Wollen wir eine Türstörung verursachen, oder wie ist das?“ Doch die junge Frau ist bereits in der S-Bahn. Frau R. ärgert das, Türstörungen seien der Hauptgrund für die vielen Verspätungen, da kann sie das der jungen Frau nicht einfach durchgehen lassen. Kaum fährt die Bahn los, stellt sie sich neben Herr V. und sagt: „Die schnapp ich mir.“ Aber die junge Frau hat eine Fahrkarte. Ihren Job setzt Frau R. wie eine Waffe ein. Das erklärt vielleicht auch, warum die Kontrolleure während ihrer Arbeit so missgünstig beäugt werden.

Es ist ein Horrorwinter für die Bahn. Herr V. hat das Gefühl, für jeden Fehler der Bahn geradestehen zu müssen: Jede Verspätung wird ihm persönlich angekreidet. „Aber die Fahrgäste nehmen ein Angebot wahr, da kommt ein Vertrag zustande“, springt ihm Frau R. bei. Da sind sie wieder, die Vorschriften. „Der Großteil der Fahrgäste ist nett, den Rest darf man sich nicht zu Herzen nehmen“, sagt V. Das letzte Mal angebrüllt wurde er vor einer Stunde. „Ihr seid doch total bescheuert!“, das waren die Worte des Rentners. Und das nur, weil er kurz vorher schon einmal kontrolliert wurde. V. erwartet, dass man sein Unverständnis teilt.

Eine weitere junge Frau wird erwischt. Sie fährt nur eine Station und hat ihre Fahrkarte vergessen, ihre Fahrt dauerte keine Minute. Zahlen muss sie die 40€ trotzdem. V. zuckt mit den Schultern und man könnte es für ein Zeichen von Indifferenz halten, aber dafür ist sein Gesicht zu zerknirscht. Frau R. hat zwei Jahre mehr an Berufserfahrung, sie verzieht keine Miene. „Alle haben die Fahrkarte vergessen“, betont sie.

Auch das ist Unverständnis.

EDIT: Namen unkenntlich gemacht.

Geändert von hakantee (19.05.2011 um 16:29 Uhr).
hakantee ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 20.05.2011, 23:27   #2
Martin84
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Renommee-Modifikator: 0 Martin84 wird positiv eingeschätzt
Standard AW: Wann wird man an einer Journalistenschule eingeladen?

Vielen Dank für diese Informationen und herzlichen Glückwunsch zum neuen Studium. Ich finde es aufbauend mal ein paar handfeste Informationen zu lesen und dazu auch noch ein Beispiel Text. Prima Sache.

Ich hab zwar nicht genau verstanden was nun die "Waffe" der Kontrolleure ist und an welcher Stelle sie sich "verstecken" müssen, aber anscheinend entspricht es trotz alledem den Erwartungen der Prüfer, ob angesehene Journalisten-Schule hin oder her. Alltagssituationen von denen jeder täglich 2-3 ähnliche erlebt, sind dann wohl auch die Geschichten, die man in der Zeitung lesen möchte? Interessant.


Viel Glück auf deinem Weg,


Martin
Martin84 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 22.05.2011, 03:49   #3
hakantee
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Registriert seit: 19.05.2011
Beiträge: 3
Renommee-Modifikator: 0 hakantee wird positiv eingeschätzt
Standard AW: Wann wird man an einer Journalistenschule eingeladen?

"Alltagssituationen von denen jeder täglich 2-3 ähnliche erlebt, sind dann wohl auch die Geschichten, die man in der Zeitung lesen möchte? Interessant."

Nein, genau das ist es nicht, glaube ich zumindest. Es geht den Prüfern nicht darum, dass man in der ersten Etappe durch übertriebene Kreativität glänzt oder aus dem Nichts einen komplett ungewohnten Zugang zu einem Thema findet, sondern, dass man das A und O ansatzweise beherrscht.

Klar ist diese Reportage weder neu noch in dieser Form anders, aber ich glaube, sie erfüllt durchaus die Kriterien einer Reportage. Aber den korrigierenden Journalisten geht es wohl eher um Formalia als um ein Thema, das sie morgen in der Zeitung lesen wollen würden.
hakantee ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 17.12.2011, 00:00   #4
hakantee
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Renommee-Modifikator: 0 hakantee wird positiv eingeschätzt
Standard AW: Wann wird man an einer Journalistenschule eingeladen?

(aus aktuellem Anlass, ne?)
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