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Recherchefragen - Investigativ In diesem Forum geht es um die journalistische Recherche. Recherchefragen Informationen, Kooperationspartner, alle Themen zur Recherche.

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Alt 29.04.2002, 14:32   #1
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Standard Parteimitgliedschaft und Journalismus

Wie haltet Ihr es mit der Frage, ob ein Journalist (vor allem natuerlich ein politischer, aber auch ein Wirtschaftsjournalist) Mitglied einer politischen Partei sein kann oder besser darf?

Holger
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Alt 29.04.2002, 21:17   #2
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Standard RE: Parteimitgliedschaft und Journalismus

Hallo Holger,
vielleicht sehe ich die Dinge ein wenig zu altmodisch: - aber ich denke, man muss sich klar entscheiden, ob man Politik machen oder darüber berichten will. Natürlich ist es kein Problem, ein Parteibuch zu haben, wenn Du normalerweise nur über politikferne Themen berichtest. Aber wenn Du Dich als Journalist hauptsächlich auf Politik konzentrierst und den Anspruch hast, möglichst umfassend, kritisch und allseits distanziert zu berichten, wird's als Parteimensch doch eher heikel .... Kurzum: Ich persönlich halte eine Parteimitgliedschaft mit diesem Job für schwer bis gar nicht vereinbar. Dass man als Privatmensch natürlich mehr oder minder stark ausgeprägte politische Überzeugungen hat, steht auf einem anderen Blatt, solange man's im Job nicht raushängen lässt. Jedenfalls kann man die Gretchenfrage (Polit-Engagement ja oder nein?) auch dadurch lösen, dass man sich außerberuflich in vorpolitischen Feldern engagiert (NGO's, Vereine oder Organisationen), über die man normalerweise nicht berichtet, wo also die Gefahr etwaiger Loyalitätskonflikte auf ein Minimum begrenzt ist. Das ist meine persönliche Meinung dazu.
Aber grundsätzlich geht's um die Frage des journalistischen Selbstbilds bzw. Rollenverständnisses. Und da sind die Grenzen fliessend. Jede/r muss für sich selbst klären, welche journalistischen Ansprüche und Prioritäten man verfolgt und wo die eigenen Grenzen sind. Wer generell mit einem parteilichen bzw. anwaltschaftlichen Journalismus sympathisiert und diesen Aspekt für wichtiger erachtet als eine möglichst breit angelegte und einigermaßen neutrale Informationsvermittlung, wird wahrscheinlich kein oder nur ein geringes Problem damit haben, sich als Parteimitglied aktiv auf eine bestimmte Seite zu stellen. Das ist im übrigen wertfrei gemeint; nur muss man für sich selbst überlegen, was man will. Und last not least kommt's ja manchmal auch auf den Arbeitgeber an und die Frage, ob man sich von einem Parteibuch evtl. auch einen Karriereschub erhofft. Bei den Öffentlich-Rechtlichen haben Parteibücher meines Wissens noch nie geschadet – aber was dabei rauskommt, ist ja auch nicht unbedingt der Hit .....
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Alt 30.04.2002, 10:48   #3
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Standard RE: Parteimitgliedschaft und Journalismus

Danke, Nina, fuer die ausfuehrliche Antwort.
So wie Du dachte ich bisher, Parteimitgliedschaft und (politischer) Journalismus schliessen sich aus. Andererseits: Ist eine wirklich neutrale Berichterstattung ueberhaupt moeglich? Bringt nicht jeder Journalist zwangslaufig eine bestimmte Perspektive mit? Man gefaehrdet natuerlich seine Objektivitaet nach aussen, also gegenueber Lesern, Hoereren, Zuschauern, wenn man ein Parteibuch hat, aber ich denke, wenn man sich selbst zum Standard setzt, die Fakten hoeher zu achten als die (vermeintlichen) Vorteile fuer die Partei - ... ?! Schwierige Frage! Politischer Journalismus ist doch immer politisch involviert, hat immer einen Standpunkt.

Well, werde wohl noch weiter darueber nachdenken

Holher
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Alt 30.04.2002, 15:44   #4
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Standard RE: Parteimitgliedschaft und Journalismus

>Politischer Journalismus ist doch immer politisch involviert, hat immer einen >Standpunkt.

So ist es, genauso sehe ich das auch! Aber dieser Standpunkt ist ja nicht unveränderlich bzw. auf die programmatischen Inhalte einer bestimmten Partei fixiert. Man kann natürlich irgendwo eintreten und sich auf ein Dasein als Karteileiche beschränken. Aber wenn man gleichermaßen journalistisch arbeiten, über Politik schreiben und sich dann auch noch aktiv in irgendeinem Ortsverein oder Ortsverband tummeln will, kriegt man relativ schnell ein Glaubwürdigkeits- und/oder Akzeptanzproblem. Ich hab's erlebt, weiß also, wovon ich rede, und auch wenn das Kapitel schon zehn Jahre her ist, würde ich's nicht wiederholen wollen .... Was im übrigen aber auch nicht zur Nachahmung zu empfehlen ist: – jedenfalls nicht, wenn man seinen Job wirklich gern macht!: sich "versehentlich" in einen Polit-Menschen zu verknallen und offen zu dieser Beziehung zu stehen. Dann spielt's nämlich plötzlich überhaupt keine Rolle mehr, wieviel Berufserfahrung Du hast und ob und inwieweit Du selbst politisch engagiert bist – zack!, das war's. Da fortan jedes Stück von "wohlmeinenden" KollegInnen und/oder Vorgesetzten und/oder Gesprächspartnern im Licht Deiner privaten Verhältnisse beäugt wird, darfst Du von Stund an Nachrufe schreiben oder ersatzweise Texte über irgendwelche schwachsinnigen Fitness-Kuren absondern. Sowas nennt sich Sippenhaft. Aber auch das hängt natürlich von der Toleranz des jeweiligen Arbeitgebers und der eigenen Fähigkeit ab, solche Spielchen auf Dauer mitzumachen. Whatsoever: was auch immer Du tust, Holger – bedenke es gut und bedenke die Folgen! ))
In diesem Sinne
Nina
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Alt 25.05.2002, 04:18   #5
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Beiträge: n/a
Standard RE: Parteimitgliedschaft und Journalismus

Hallo Holger,

mal abgesehen davon, dass man als gebildeter Mensch, der nicht das Parteiprogamm unter dem Kopfkissen liegen hat, nie zu 100 % mit der Meinung "seiner" Partei übereinstimmen kann,ist es doch nicht schlecht, wenn man klar Stellung zu einem Thema bezieht.

Schaut man sich mal die hübschen Beilagen der Stdtteile an, die manchmal in der Tageszeitung zu finden sind, dann merkt man schon recht schnell, was sich hinter Überschriften wie "parteiunabhängiger Lokalanzeiger" usw. verbirgt. Das ist doch viel schlimmer.

Bei den großen Nachrichtenmagazinen ist es auch nicht anders. Jeder "bedient" seine Leserschaft. Magazin XY steht eben Partei YZ näher, als die Zeitung soundso. Aber das ist ganz normal. Und irgendwie ehrlicher.

Also habe noch nie jemanden erlebt, der "seine" Partei auf den Sockel stellt, nur weil er auch zufällig (Polit-)Journalit ist. Tendenzen sind wie gesagt, immer erkennbar.

Mein Lehrer hat gestern das Wort "kritische Betrachtung" gebraucht, und in die Klasse gefragt, was wohl wäre, wenn wir uns Klassenkameradin Sandra mal ohne Make-up vorstellen. War nicht sehr nett.

Liebe Grüße, Ramona (vom C6-Magazin)
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