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Tagesgeschehen Diskutieren Sie hier das Tagesgeschehen. Wie verhalten sich Journalisten zu dem, was gerade passiert.

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Alt 16.08.2003, 16:20   #1
unbekannter User (Gast)
 
Beiträge: n/a
Standard Berlin: Brutaler Übergriff auf Journalisten

Hallo,

ich bin heute in den Morgenstunden in Berlin unterwegs gewesen, um für eine Sendung im Berliner Lokalfernsehen noch aktuelle Themen zu finden.

Gegen 01.05 Uhr gab es zwischen einem Fahrgast, der angeblich keinen Fahrschein hatte, und Mitarbeitern der Berliner Verkehrsbetriebe eine Auseinandersetzung. Ich packte meine Kamera aus, um dies zu filmen. Nach 28 Sekunden hielt mir eine Person in Zivil (ohne zunächst sich in irgendeiner Art und Weise zu legitimieren) die Hand vor die Kamera und verlangte das die Kamera ausgemacht wird.

Das tat ich dann auch. Nun formierten sich gleich mehrere Personen in Zivil vor mir und verlangten die Herausgabe des Films, was ich unter Hinweis auf die Pressefreiheit verwehrte. Außerdem zeigte ich meinen Presseausweis.

Dies schien sie überhaupt nicht zu interessieren. Sie meinten sogar: "Sie sind nach § 127 festgenommen".

Die U2 in Richtung Schönhauser Allee/Prenzlauer Berg fuhr in den Bahnhof ein. Ich sagte, dass ich jetzt in die Bahn steigen wolle und sie mich daher bitte vorbeilassen sollen. Dies wurde verwehrt und sie wurden aggressiver.

Daraufhin wählte ich den Polizeinotruf 110 und erklärte, dass ich von BVG-Kontrolleuren der Freiheit beraubt werde und das sie meine Filmaufnahmen haben wollten. Außerdem erklärte ich ausdrücklich gegenüber der Polizei das ich Pressevertreter bin. Dies muss auf Band sein, da Notrufe immer mitgeschnitten werden. Die Kontrolleure schien das weiterhin nicht zu interessieren und sie zerrten mich plötzlich - noch während des Telefonats mit der Polizei - an beiden Armen und ich wurde wie ein Tier über den gesamten Bahnsteig geschleift. Dies müssen zahlreiche Personen mitbekommen haben, weil auch die U2 gerade aus den Bahnsteig mit zahlreichen Fahrgästen fuhr. Während sie mich über den Bahnsteig schleiften schrie ich laut das ich von der Presse bin, das dies ein Angriff auf die Pressefreiheit sei.

Ob auch das noch von der Notruf-Leitstelle der Polizei mitgeschnitten wurde kann ich nicht genau sagen, da ich nicht mehr weiß, ob die Mobilfunk-Verbindung bestand.

Nun befand ich mich in einem BVG-Pausenraum, wo sich auch 2 andere BVG-Mitarbeiter befanden. auch dort wiederholte ich nochmals das sie einen Presseverteter angreifen und zeigte nochmals meinen Presseausweis. Trotzdem ging es dann dort weiter:

Die Kontrolleure zerrten an meiner Kameratasche und wollten sie mir entreissen. Außerdem wollten sie mich nun in einen anderen Raum verbringen und begannen wieder mich menschenverachtend an meinen Armen zu ziehen - als hätten sie es mit einem Tier zu tun. Im Pausenraum wurde ich dann auch nach einer Fahrkarte gefragt. Ich zog es jedoch vor auf die Polizei zu warten.

Nun rief ich nochmals den Notruf der Polzei über 110. Laut Handy erfolgte dieser Anruf um genau 01:11:31 am 16.08.2003. Der erste Anruf fand nur kurz zuvor statt.

Einige Minuten später kamen mehrere Zivilbeamte der Polizei auf den Bahnsteig und später auch uniformierte Beamte. Die Kontrolleure behaupteten während des Gesprächsverlaufs mit der Polizei, ich wäre ein "Schwarzfahrer". Abgesehen davon, dass ich noch gar nicht in die U-Bahn gestiegen war, konnte ich auch eine gültige Monatskarte vorweisen. Im übrigen war ich zuvor gar nicht nach einem Fahrausweis gefragt wurden (erst später im Pausenraum). Nun behauptete einer der Kontrolleure, er sei von mir angegriffen wurden. Außerdem bestritten die Kontrolleure, dass ich meinen Presseausweis gezeigt hätte. Sie hätten nicht gewusst, dass ich Journalist sei. Dabei hatte ich ihnen direkt am Anfang des Disputes diesen gezeigt und im übrigen bekamen sie ja auch den ersten Notruf mit, wo ich erwähnte Pressevertreter zu sein.

Gegen alle Beteiligten wurde dann ein Strafverfahren wegen Körperverletzung und Freiheitsberaubung eingeleitet.

Die Polizei erklärte den Kontrolleuren, sie hätten nicht das Recht so mit der Presse umzugehen und das sie sich alle strafbar gemacht hätten.

Mir wurde seitens der Polizei erklärt, ich solle besser den Bahnsteig verlassen, weil man dann nicht für meinen Schutz garantieren könne. Denn nur einer der Kontrolleure wurde wohl in Gewahrsam genommen, weil er sich nicht ausweisen konnte.

Krass, oder?

Zeugen können sich bitte melden: media@wiecki.de


Viele Grüße
Anatol
http://www.anatol-wiecki.de

[%sig%]
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Alt 02.09.2003, 10:31   #2
unbekannter User (Gast)
 
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Standard Re: Berlin: Brutaler Übergriff auf Journalisten

Sag bitte, wie ist das weitergegangen, hast Du zwischenzeitlich etwas gehört von der Polizei oder Staatsanwaltschaft?
Haben sich die Verkehrsbetriebe bei Dir entschuldigt?
Sollen wir nachfragen - wenn ja, bei welcher Stelle wäre dies nach jetzigem STand am sinnvollsten?

Danke und Gruß aus Bonn

Helmut Lorscheid
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Alt 10.09.2003, 13:26   #3
unbekannter User (Gast)
 
Beiträge: n/a
Standard Re: Berlin: Brutaler Übergriff auf Journalisten

Hallo,

die BVG hat sich gemeldet, allerdings mit der Aussage, sie wolle prüfen, ob nicht eine Strafanzeige wegen Hausfriedensbruch in Betracht käme.

Entschuldigung? Nein.

Hier ein Bericht aus dem Tagesspiegel: http://archiv.tagesspiegel.de/archiv...003/704297.asp

Viele Grüße
Anatol Wiecki
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Alt 26.09.2003, 22:20   #4
unbekannter User (Gast)
 
Beiträge: n/a
Standard Das ist Berlin!

Es tut mir sehr leid für Dich und hoffe, dass diesen Leuten eine harte Strafe zukommt.

Doch das ist leider Berlin, das ist unsere Hauptstadt!

Gott sei Dank sieht es in Bayern hierzu ein wenig anders aus.

Grüße ...
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Alt 17.10.2003, 07:25   #5
unbekannter User (Gast)
 
Beiträge: n/a
Standard Re: Berlin: Brutaler �bergriff auf Journalisten

eigentlich sollte mensch erwarten dürfen, daß die Berliner Verkehrsbetriebe selbst über ein Video-Überwachungssystem verfügen, welches Deine/Ihre Filmaufnahmen überflüssig machen würde - zweifelsohne werden Sie das Filmmaterial gern einsetzen zur Überdenkung Ihrer Personalpolitik (und sich mittels Unkostenvergütung für Deinen nächtlichen Einsatz erkenntlich zeigen) -
Halte zwar nichts von empirischen Daten, dennoch zwei eigene Erlebnisse betreffs Berliner U-Bahn-Surfen: erinnere mich an eine deftige Szene -U1- mit ostdeutschdialektverfaerbter Kontrolltaetigkeit ausgeübt durch eine uninformierte Transvestitin (vermutlich hormonverseuchtes und genmanipuliertes Produkt der ehemaligen ostdeutschen Army der Hauptstadt) - neurotischer Gipfel der Verbalinjurien (O-ton): '...und wenn Sie der Kaiser von China waeren ...' - (was haben die eigentlich drüben in der Volksschule gelernt als hierzulande Politik und Geschichte unterrichtet wurde ??? hüstel )**
eine andere Szene in der U9 - Kartenkontrolle (ich natuerlich -wie immer ohne (eigentlich ja Autofahrerin und tatsaechlich stets abgeneigt finanziell kriminele Vereinigungen zu unterstützen)) Mein westdeutsches berufstätiges Visavis fand eine von mir angeregte Diskussion über Handys allerdings wesentlich interessanter denn die Berufsmission für welche er nach Dienstplan auf die Straße und in die U-Bahn gejagt worden war (supernettes Gespraech am Kiosk - meine Osloer Straße - dauerte ca 1/2 Stunde)
Nau - et gibt imma so'ne und so'ne, nich wahr?

Verdacht: eventuelle Eskalation der beschriebenen Szene aufgrund des simplen psychologischen Grundsatzes (frei nach John Cale) 'fear's a mans best friend' - Kampf ist mE nicht immer die geeignete Antwort auf Aggression - stattdessen Kreativitaet - sollte mensch von Freiberuflern eigentlich erwarten dürfen - ich hätte vermutlich seelenruhig gedreht und behauptet, ich arbeite für die Personalabteilung der staedtischen Bahnbetriebe (Abteilung Personalkontrolle bezüglich Umgangsformen, Einhaltung der Dienstvorschriften etc.) und den Pressewisch stecken lassen ... oder Ihnen 'ne Filmrolle in Hollywood angeboten
Hast Du den Videomitschnitt ins Netz gestellt? (Könnte man zB Geld mit verdienen - hier in München zB gibts so viel wirklich gestoerte Perverse die solche Szenen sicher on demand abrufen wuerden)
Muß übrigens öfter daran denken, daß in der ehemaligen Hauptstadt die Kaertchen 2 Groschen kosteten und mW nix kontrolliert wurde - selbstverantwortliche Unkostenbeteiligung an eigentlich nicht hochgeschätztem Transportmittel (Auto ist doch besser)

** das unangenehme Erlebnis hatte allerdings recherchemäßig betrachtet noch angenehme Folgen: Flüchten oder Standhalten als Handelsmaxime abwaegend entschied ich mich dereinst für schreitendes Davongehen (mein chinesisches Kaiserhaupt hochtragend) und kam leicht vom Wege ab - ging durch ein Parkhaus (wo ich mich heimischer fühle denn in U-bahn-schächten) und bemerkte so einige architektonische Besonderheiten - die Ausfahrt des Parkhauses war zweifelsohne nicht für PKW's konzipiert sondern deutete auf architektonischen Tiefgang (mE mehrere Etagen) - ein innerer Film - ein kritisches Augenmaß - mein in Berlin zuletzt gefahrener Schlitten war ja nicht ganz unterdimensioniert (VW-Kombi) - und ich sah in der Phantasie Prager Frühling ähnliche Zustaende und Panzer aus den irgendwie nicht passenden eher an Autobahnauffahrten erinnernden Parkhauseinfahrten herausrollen. Klar, der Bürgerkrieg tobt hierzulande schon in vollen Zuegen - frage mich aber ängstlich, ob wir solche Szenen auch noch erleben dürfen werden .....
Kennt sich jmd mit unterirdischen Anlagen aus - München ist derer auch reich - Theresienwiese - Hertiewarenhaus am Hbf (sollen sage & schreibe 5 Stockwerke drunter sein - nur 2 davon frei zugänglich - vom Hörensagen erfahren, daß zB auch Betriebe wie BMW mit anderen verbunden)
Krauss & Maffei sollen ja nach dem erfolgreichen Irak-Marketing-Gag wieder auf Welttournee sein - hat jmd noch 'ne Eintrittskarte übrig (oder Presserabatte - hüstel)
hat jmd das Regierungsviertelbauprojekt dokumentarisch verfolgt (und evt mal einen netten Plausch mit dort beschäftigten Bauarbeitern gehabt) - jetzt waere ich textuell so weit den thread in 'This is Berlin' verändern zu wollen

Schöne Grüße aus
http://www.icafe.spacenet.de/webcam2/cam.jpg
(mit denen habe ich im Übrigen auch keinen Filmvertrag !!)
sehe gerade, daß meine Sauna schon geöffnet hat und verabschiede mich jetzt Richtung
http://www.elixia.de/muenchen-club-lenbach/

- det is München - zum Glück auch !!!

(an der Nürnberger ist übrigens ne wundervolle Sauna, in welcher mensch derartige Ereignisse eben für einen Moment vergessen/verarbeiten/bedenken kann-

petra

[%sig%]
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