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Volontariat - Studium - Praktikum - Ausbildung Alles rund um die Ausbildung in den Medienberufen. Volontariat, Studium der Journalistik & Kommunikationswissenschaft, Praktikum

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Alt 21.10.2009, 18:52   #1
locsifecsi
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Renommee-Modifikator: 0 locsifecsi wird positiv eingeschätzt
Standard Von hinten durchs Knie ...

Hallo ihr Lieben.

Bei meiner Suche nach Informationen habe ich mich vor zwei Tagen zum ersten Mal in dieses Forum verirrt und seither sehr viele hilfreiche, vor allem auch ermutigende Beitraege gefunden. Die meisten offenen Fragen konnten dadurch schon geklaert werden, allerdings waere da noch eine Sache, zu der ich gern eure Einschaetzung - ich denke konkrete Ratschlaege kann es gar nicht geben - lesen wuerde.

Ich bin fertige Juristin - mit erstem und zweitem Staatsexamen - und treibe mich nebenher schon seit geraumer Zeit auf der schreiberischen Schiene herum, wobei von ernsthaftem Journalismus bisher nicht wirklich die Rede sein kann *huestel*. Da mir das Schreiben, Fragenstellen, Recherchieren, Schwadronieren und vor allem die Neugier im Blut liegen, habe ich eine 'Kurskorrektur' fest im Blick ... bin nur noch auf der Suche nach der richtigen Richtung.

Der langen Rede kurzer Sinn: Ich habe mich waehrend meines Studiums und des anschliessenden Referendariats - trotz andauernder anderslautender Empfehlungen von allen Seiten - auf den Bereich Strafrecht, Jugendstrafrecht und Kriminologie konzentriert. Im Nachhinein scheint mir das mit Blick auf den Journalismus keine allzu schlechte Wahl, allerdings habe ich nicht den gleichen Durchblick wie viele von euch.

Daher wollte ich mich erkundigen, ob ihr glaubt, dass man dieses Spartenwissen - das zugleich auch eine Art juristische (und nur juristische, ich bin sonst vielfaeltig interessiert Inselbegabung ist, ich bin auf dem Gebiet stets gut gewesen, kann im Angesicht buergerlichrechtlicher Fragen meine Fluchtinstinkte aber kaum bezaehmen - fuer eine journalistische Laufbahn irgendwie gebrauchen kann? Zumindest das Jugendstrafrecht und einige kriminologische Sonderfragen scheinen ja ein medialer Dauerbrenner zu sein. Koennte es da eine sinnvolle Verbindung geben? Eine Sparte, in die man erstmal reinschluepfen und von der aus man sich dann vielleicht weiterentwickeln kann?

Und darueber hinaus: wo wuerdet ihr Juristen im Journalismus sehen? Politik und Wirtschaft? Juristische Ratgeber? Medienrecht? Justizberichtserstattung? Hans-Dampf-in-allen-Gassen?


Vielen Dank bereits im Voraus
und die besten Gruesse.
locsifecsi ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 24.10.2009, 19:07   #2
mia
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Standard AW: Von hinten durchs Knie ...

Es gibt sehr viele Juristen im Journalismus, sie sind überall zu finden, von Lokal- bis Sportredaktionen, wie die Politologen, Germanisten, Orientalisten und VWler auch. Eine klassische Domäne des Journalismus ist die Gerichtsreportage, allerdings sind in dem Bereich eher die "Edelfedern" zu finden, die nicht zwangsläufig Juristen sind. Wie man dahin kommt? So wie in den Beruf generell: Praktikum, freie Mitarbeit, Volo, Anstellung in einer Redaktion (Idealfall). Das kann allerdings 5 bis 10 Jahre dauern.

Falls dich Gerichtsreportagen interessieren, empfehle ich dir die Bücher von Gisela Friedrichsen, Gerichtsreporterin beim Spiegel (etwa: "Ich bin doch kein Mörder"), oder auch die Story-Sammlung "Verbrechen" von Ferdinand von Schirach, auch wenn das eher Kurzgeschichten sind.

Spezialkenntnisse helfen dir im Journalismus erst aber einer bestimmten Stufe, meist, wenn du bereits in einer Redaktion arbeitest. Oder du machst dich halt von vornherein selbstständig - letzteres kann gelingen, wenn du z.B. eine Journalistenschule besuchst, und dort Kontakte zu verschiedenen Redaktionen knüpfst. Du bist als Absolventin außerdem Teil eines Super-Netzwerks. Wie alt bist du denn?

Der Weg in diesen Beruf ist sehr lang, mühsam erworbene Studiums-Kenntnisse sind drittrangig, das ist eben so. Generell gilt: Talent und Handwerk schlägt Spezialwissen.

Geändert von mia (24.10.2009 um 19:15 Uhr).
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Alt 01.11.2009, 03:19   #3
Pan
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Standard AW: Von hinten durchs Knie ...

Hallo locsifecsi,

ich kann mia nur recht geben. Du solltest so schnell wie möglich praktische journalistische Erfahrungen sammeln. Alleine das Fachwissen, so nützlich es auch sein mag, hilft dir nicht ausschließlich weiter.

lg
pan
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Alt 01.11.2009, 10:34   #4
Highspeed
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Standard AW: Von hinten durchs Knie ...

Guten Morgen allerseits,

ich würde Mias Behauptungen nicht unkommentiert stehen lassen.

Zitat:
Zitat von mia Beitrag anzeigen
Der Weg in diesen Beruf ist sehr lang, mühsam erworbene Studiums-Kenntnisse sind drittrangig, das ist eben so. Generell gilt: Talent und Handwerk schlägt Spezialwissen.
Natürlich ist Handwerk wichtig. Aber das Handwerk lässt sich lernen und wer ein Studium hinter sich gebracht hat, dem wird man auch das intellektuelle Niveau dafür zutrauen dürfen ("Talent"). Nochmal: Es ist ganz, ganz viel Handwerk und das kann man sich schneller aneignen als ein fundiertes, akademisches Fachwissen.

Praktische Erfahrungen können natürlich nie schaden und locsifecsi sollte sich ganz fix um weitere Referenzen bemühen. Vom Anspruch des "Hans Dampf in allen Gassen" würde ich dabei abraten. Gerade fundiertes Fachwissen lässt sich zu einem Alleinstellungsmerkmal ausbauen. Eine Expertin kann sich langfristig teurer verkaufen als ein Generalist. Davon gibt es schon eine ganze Menge - man schaue sich nur die Low-Budget-Content-Dienstleister im Internet an.

Zitat:
Zitat von mia Beitrag anzeigen
Spezialkenntnisse helfen dir im Journalismus erst aber einer bestimmten Stufe, meist, wenn du bereits in einer Redaktion arbeitest. Oder du machst dich halt von vornherein selbstständig - letzteres kann gelingen, wenn du z.B. eine Journalistenschule besuchst, und dort Kontakte zu verschiedenen Redaktionen knüpfst. Du bist als Absolventin außerdem Teil eines Super-Netzwerks. Wie alt bist du denn?
Der kalte Sprung in die Selbstständigkeit scheint mir gewagt, wenn es an weiteren Erfahrungen fehlt. Der Aufbau eines Kundenstamms kostet auch erfahrene Journalisten einiges an Zeit. Diese Durststrecke dürfte noch trockener ausfallen, wenn man mit seiner eigenen Fortbildung beschäftigt ist.

Ich rate dazu, gezielt mit Redaktionen in Kontakt zu treten und interessante Themen vorzuschlagen. Gerade Fachblätter nehmen Anregungen recht gern auf. Auf diesem Wege lassen sich auch weitere Erfahrungen sammeln.

Hin und wieder suchen Verlage gezielt Juristen für Ihre Redaktionen oder zur freien Mitarbeit. Ein willkürliches Beispiel hierfür: http://www.jobpilot.de/getjob.asp?Jo...tl&cy=de&q=PR-

Auch für Volontariate bei Fachpublikationen wird häufig lediglich eine nicht weiter spezifizierte, akademische Ausbildung vorausgesetzt. Wieder ein willkürliches Beispiel: http://springer-career.becruiter.net...px?jobid=62634

Vorteil diese Fortbildungsweges: Man wird von Anfang an bezahlt, kann praktische Erfahrungen sammeln und idealerweise zahlt der Arbeitgeber Schulungen außer Haus (i.d.R. vier Wochen Ausbildung während zwei Jahren Volontariat).

Viel Erfolg und noch ein angenehmes Restwochenende.
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Alt 01.11.2009, 14:02   #5
mia
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Standard AW: Von hinten durchs Knie ...

Zitat:
Zitat von Highspeed Beitrag anzeigen


Natürlich ist Handwerk wichtig. Aber das Handwerk lässt sich lernen und wer ein Studium hinter sich gebracht hat, dem wird man auch das intellektuelle Niveau dafür zutrauen dürfen ("Talent"). Nochmal: Es ist ganz, ganz viel Handwerk und das kann man sich schneller aneignen als ein fundiertes, akademisches Fachwissen.
Das stimmt nicht. Eine gute Schreibe hat mit "intellektuellem Niveau", wie du es nennst, erst mal wenig zu tun, wie man an vielen Veröffentlichungen auch hochrangigster Wissenenschaftler ablesen kann. Bei Bandwurmsätzen, Substantivierungen bis die Schwarte kracht und krausen Satzaufbauten stellen sich dem sprachsensiblen Menschen leider oft die Haare zu Berge. Journalismus und Wissenschaft sind einfach zwei Paar Schuhe. Viele Menschen werden in ihrer Schreibe auch erst an der Uni so richtig verdorben, und müssen sich später mühsam wieder angewöhnen, für den Normalmenschen zu formulieren - so sie "in die Medien" wollen. Da ist der lebhafte Lokalzeitungs-Bericht übers Feuerwehrfest, über die Gemeinderatssitzung oder die Taubenzüchter die beste Übung, die man sich vorstellen kann. Wer das gering schätzt sollte sich überlegen, ob er oder sie tatsächlich in diesen Beruf möchte.

Aber vielleicht reden wir auch aneinander vorbei, und sowohl du als auch die Fragestellerin denken allein an Fachmedien? Dann überlies das hier einfach, im Wissenschaftsjournalismus oder bei Fachportalen im Netz ist ein fundiertes Fachwissen selbstverständlich wichtiger als Kischpreis-verdächtiges Formulierungstalent.

Was ich nur sagen wollte ist: Nicht jeder, der eine Hochschule besucht hat, erwirbt damit automatisch die Befähigung zum anschaulichen, unterhaltsamen Darstellen von Sachverhalten und zum Erzählen von Geschichten (denn darum geht es beim klassischen Genre Gerichtsreportage). Wer gut schreiben will, muss vor allem eins tun: Schreiben, schreiben, schreiben. Die Themen sind erst mal zweitrangig.

Es ist ja auch nicht so, dass die Armada all jener, die Praktika machen, als Freie in Lokalredaktionen arbeiten und seit Jahren in den Startlöchern für ein Volo sitzen, nicht studiert hätten. Im Gegenteil. Viele Von ihnen sogar Jura.

Das Studium ist im Journalismus heutzutage leider keine heißbegehrte Zusatzqualifikation, sondern Grundvoraussetzung.

Geändert von mia (01.11.2009 um 17:47 Uhr).
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Alt 01.11.2009, 14:16   #6
Highspeed
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Standard AW: Von hinten durchs Knie ...

Dass ein Akademiker nicht zwangsläufig gut schreibt ist richtig. Aber ein studierter Mensch sollte schlau genug sein, die nötige Schreibe rasch zu erlernen. Kurze und verständliche Sätze sind genausowenig Hexenwerk wie aktive Formulierungen.

Mit einem großartigem "Talent" hat das meiner Meinung wenig zu tun - auch wenn ich damit womöglich am Selbstverständnis einiger gestandener Schreiberlinge kratze.

Für den Start empfehle ich daher nicht die zuvor schon angesprochenen Journalistenschulen, sondern Stilfibeln von Wolf Schneider etc. sowie Kurse bei der ABP und Konsorten.
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Alt 01.11.2009, 15:32   #7
mia
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Standard AW: Von hinten durchs Knie ...

Zitat:
Zitat von Highspeed Beitrag anzeigen
Dass ein Akademiker nicht zwangsläufig gut schreibt ist richtig. Aber ein studierter Mensch sollte schlau genug sein, die nötige Schreibe rasch zu erlernen. Kurze und verständliche Sätze sind genausowenig Hexenwerk wie aktive Formulierungen.

Nein, Hexenwerk ist verständliches Schreiben nicht. Mehr als Talent (da stimme ich dir zu) braucht es Übung, allerdings am "lebenden Objekt" (dem journalistischen Text in Echtzeit). Aus jahrelanger Erfahrung in einer Lokalredaktion merke ich aber auch immer wieder, wie unterschiedlich der Bezug zum schriftlichen Ausdruck (ich vermeide jetzt mal bewusst das Wort Talent) bei den Praktikanten ist - die allesamt von der Uni kommen und meist kurz vor Ende des Studiums stehen. Die einen kriegen das schnell hin, eine launige Geschichte über die Omma, die 102 wird, zu schreiben. Die anderen scheitern auch nach sechs Wochen daran, sprachlich Leben ins Feature über den neuen Wochenmarkt zu bringen. Mit mangelndem Intellekt hat das in den wenigsten Fällen zu tun. Eine gewisse Neigung zum Geschichtenerzählen braucht es also schon - denn wer mit dem Porträt der Olivenverkäuferin Probleme hat, wird es auch mit Politikstudium schwer haben, den neuen Linken-Parteivorsitzenden pointiert vorzustellen. Die beste Praktikantin, die wir je hatten, war 20 Jahre alt und kam direkt vom Gymnasium. Da war die Begabung vom ersten Satz an erkennbar. Ist aber wirklich selten sowas.

Es läuft halt in der Regel fast alles über Übung. Wer nie einen Tageszeitungstext geschrieben hat, wird einige Zeit brauchen, bis er es schnell, routiniert und spannend hinbekommt. Und einige Jahre, bis er es auf Redakteursniveau beherrscht und auch Fremdtexte unter Zeitdruck redigieren/umschreiben kann. Das darf man nicht unterschätzen. Es ist schon eine relativ spezielle Anforderung.

Man muss wohl schlicht ausprobieren, ob einem das journalistische Schreiben liegt. Ich kenne überhaupt niemanden, der diesen Beruf ausübt, OHNE von der Uni zu kommen. Und niemanden, der darüber hinaus nicht noch Jahre in der üblichen Praktikums/freie Mitarbeits/Volo/Leiharbeiter etc. Schiene verbracht hat, weil es eben doch seine Zeit braucht, ein guter "Textarbeiter" zu werden. Soviel zum Thema, dass Akademiker quasi eine Schnellstraße zum Berufsziel nehmen können. Den üblichen Weg zu umschiffen ist einfach verdammt schwer.

Geändert von mia (01.11.2009 um 17:49 Uhr).
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Alt 06.11.2009, 13:21   #8
Sanne S.
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Standard AW: Von hinten durchs Knie ...

Liebe Locsifecsi,

Es ist auf jedenfall wichtig, dass du jetzt journalistische Praxiserfahrung sammelst und dabei ausprobieren kannst, ob dir dieser Beruf überhaupt liegt. Aber sei sicher, dass dein juristisches Wissen dich aus der Vielzahl der Leute heraushebt, die in diesen Beruf streben, und dir beispielsweise im Rennen um ein Volontariat einen Vorsprung vor Mitbewerbern verschafft. Es ist nämlich keineswegs so, dass in den Redaktionen reichlich Juristen säßen, und dass ihre Qualifikation genauso zählte wie die von Germanisten oder Orientalisten, da muss ich Mia vehement widersprechen. Nach wie vor werden Absolventen sogenannter "harter" Fächer gesucht, also Fächer, mit denen man normalerweise einen anderen Beruf als den journalistischen anstrebt; da zählt Jura genauso dazu wie beispielsweise Medizin oder Elektrotechnik.

Schöne Grüße

Sanne
Sanne S. ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 06.11.2009, 15:13   #9
mia
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Standard AW: Von hinten durchs Knie ...

Zitat:
Zitat von Sanne S. Beitrag anzeigen
Liebe Locsifecsi,

Es ist nämlich keineswegs so, dass in den Redaktionen reichlich Juristen säßen, und dass ihre Qualifikation genauso zählte wie die von Germanisten oder Orientalisten, da muss ich Mia vehement widersprechen. Nach wie vor werden Absolventen sogenannter "harter" Fächer gesucht, also Fächer, mit denen man normalerweise einen anderen Beruf als den journalistischen anstrebt; da zählt Jura genauso dazu wie beispielsweise Medizin oder Elektrotechnik.

Schöne Grüße

Sanne
Echt? Wo denn genau? In meiner Redaktion (Tageszeitung, überregional) ist das in der Tat anders, keine Ahnung, aus welchem Haus deine Infos stammen. Die Juristenquote ist hier relativ hoch. Zufälligerweise. Man muss halt irgendein Studium abgeschlossen haben, der Rest ist Praxis. Juristen sitzen hier in der Sportredaktion, Sportwissenschaftler in der Lokalredaktion und Politikwissenschaftler im Feuilleton. Ein Orientalist ist unser vielfach preisgekrönter Gerichtsreporter. Ich kenne einen VWLer, der Theaterkritiken schreibt. Schleierhaft ist mir dagegen, was einen Elektrotechniker jetzt speziell für die Arbeit bei einer Zeitung qualifiziert, und wann genau die Medizinstudentin während ihres Studiums Zeit finden soll, durch freie Mitarbeit an journalistische Routine zu kommen.

Bei Volo-Bewerbungen wird hier nach Referenzen aus Redaktionen geschaut.

Ich will nicht sagen, dass es unmöglich ist, als Akademikerin mit wenig Erfahrung in de Journalismus zu kommen. Man sollte nur nicht allzuviele Illusionen haben, dass jemand in der Redaktion nach Studieninhalten fragt. Ein bisschen sind die Fachgebietsverteilungen im Journalismus wie in der Politik, wo von der Justizministerin kein Jura- und vom Gesundheitsminister nicht zwangsläufig ein Medizinstudium verlangt wird. Die Karrieremechanismen funktionieren nicht nach einem bestimmten Muster.

Ob das sinnvoll ist, steht auf einem ganz anderen Blatt.

Geändert von mia (06.11.2009 um 15:19 Uhr).
mia ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 06.11.2009, 17:45   #10
christine
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Standard AW: Von hinten durchs Knie ...

mia, Dein Hinweis auf die hohe Juristenquote bei Eurem Blatt ist doch aber ein guter Beleg dafür, dass man es mit einem Jurastudium auch im Journalismus zu etwas bringen kann (dass locsifecsi bislang keine journalistische Erfahrung hat, steht auf einem anderen Blatt und ist in ihrem Fall das größere Problem).

Mediziner und Ingenieure sind bei Fachzeitschriften durchaus gefragt. Allerdings sollte sich jeder Mediziner und jeder Ingenieur gut überlegen, ob er in die Medien gehen sollte, wenn er in seinem eigentlichen Beruf sehr viel bessere Karrierechancen und Verdienstmöglichkeiten hat.

@ locsifecsi: Wie alt bist Du?
christine ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 06.11.2009, 18:00   #11
mia
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Standard AW: Von hinten durchs Knie ...

Zitat:
Zitat von christine Beitrag anzeigen
mia, Dein Hinweis auf die hohe Juristenquote bei Eurem Blatt ist doch aber ein guter Beleg dafür, dass man es mit einem Jurastudium auch im Journalismus zu etwas bringen kann
@ locsifecsi: Wie alt bist Du?
Das habe ich doch gar nicht bestritten. Meiner Erfahrung nach gibt es allerdings kein Studium, das im redaktionellen Alltag grundsätzlich höher geachtet wird als ein anderes. Der Kollege in der Sportredaktion hat sein ganzes (Jura-)Studium hindurch als Freier für eine Lokalausgabe gearbeitet und da über Jugendfußball etc. geschrieben. Vermutlich hat ihm eher das den Weg geebnet als das Jurastudium, das in diesem Fall genausogut ein Afrikanistikstudum hätte sein können. Und wäre es letzteres gewesen: Die Chance, das auf einmal der langjährige Afrika-Korrespondent in Rente geht, wäre recht gering.

Wer erst einmal Kontakt zu einer Redaktion geknüpft hat und dort regelmäßig mitarbeitet, hat mehr für seinen journalistischen Berufsweg getan als in fünf Jahren Studium. Irgendwann interessiert es keinen mehr, in was man seinen Magister geschrieben oder sein Staatsexamen abgelegt hat. Fachmagazine mal ausgenommen.

Und in Ressorts rutscht man nach dem Volo erfahrungsgemäß irgendwie rein - wo halt gerade eine Stelle frei ist. Es ist meist nicht schlüssig aus den Berufswegen zu erklären, warum der eine Politikredakteur, die andere Lokalredakteurin und der dritte Gerichtsreporter wird. Da kommen ganz andere Faktoren ins Spiel, nicht zuletzt das Prinzip "Zur richtigen Zeit am richtigen Ort".

Ob es so toll ist, dass die Zeitungen von Menschen vollgeschrieben werden, die vor allem über gesundes Halbwissen verfügen, sei dahingestellt. DAS wäre nochmal eine neue Diskussion

Anders sieht das aus für Freie, die ihr Fachgebiet ausbauen: Da kann es unter Umständen eine sehr gute Idee sein, als Jurist oder Juristin sich auf die Nische der Gerichts/Justizberichterstattung zu stürzen. Und Fachverlage gibt es in diesem Bereich ja auch jede Menge.

Alles gute dir, locsifecsi!

Geändert von mia (06.11.2009 um 18:10 Uhr).
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Alt 07.11.2009, 13:23   #12
mia
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Liebe locsifecsi,

meine ehrliche Meinung: Wenn ich ein Jurastudium abgeschlossen hätte, wäre ich in einer ganz anderen Branche tätig. Damit kann man doch einen "richtigen" Beruf ausüben, anders als eben mit Politologie, Germanistik, Amerikanistik etc., wo kaum etwas bleibt als "in die Medien" zu gehen - um dann auf Hartz IV-Niveau über die Gemeinderatssitzung in Hintertüpfelgau oder von mir aus in Berlin-Pankow zu berichten. An die guten Stellen kommt man nicht ohne jahrelange freie Mitarbeit oder Journalistenschule, freie Autoren werden lausig entlohnt und die Konkurrenz ist riesig. Ich glaube nach wie vor, dass Fachwissen im Journalismus nicht geschätzt wird - deshalb überleg dir gut, ob du deine Qualifikation auf einem derart überlaufenen, undankbaren und finanziell uninteressanten Feld am Ende noch als Leiharbeiterin zu Markte tragen willst. Das muss man schon echt wollen, und ich für mein Teil weiß längst nicht mehr, warum ich das offenbar mal tat
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Alt 07.11.2009, 18:12   #13
punky
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Standard AW: Von hinten durchs Knie ...

Glaubst du wirklich, dass es bei den Juristen anders aussieht? Frag doch mal die Vierer-Kandidaten, die nach ihrem Abschluss ein Jahr lang gesucht haben, um dann ne 60-Stunden-Woche mit dem Gehalt einer Teilzeitkraft zu schieben...
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Alt 08.11.2009, 02:31   #14
mia
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Stimmt, vermutlich sieht es nirgendwo für keinen gut aus. Aber irgendwie entfernen wir uns von der Anfangsfrage.
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Alt 25.11.2009, 12:03   #15
Sanne S.
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Libe Mia, Locsifecsi u.a.,

Ich möchte noch mal auf das Anfangsthema zurückkommen und Mia noch mal widersprechen: Bei den öffentlich-rechtlichen Sendern ist es definitif so, dass ein Fachstudium (wie beispielsweise Jura) bei der Vergabe von Volontariatsplätzen eine große Rolle spielt, journalistische Vorerfahrung selbstverständlich vorausgesetzt. Die meisten Bewerber haben ein medienspezifisches Studium hinter sich, das wird in der Branche durchaus kritisch gesehen, es gab im August einen interessanten Artikel zu diesem Thema auf der Hochschul-Seite der Süddeutschen.

Schöne Grüße

Sanne
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