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Fragen und Antworten Fragen und Antworten zum Journalismus

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Alt 16.02.2011, 19:08   #1
Texte-Büro
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Standard Freier: Ist es wirklich so schlimm bei euch?

Im Job-Forum haben wieder zwei Mitglieder geschrieben, wie schwer es im Journalismus ist. Gerade wegen der Dumping Angebote wie zum Beispiel 3 Cent je Wort. Ich wundere mich immer wieder, wie viele sich hier über die Freiberuflichkeit beschweren. Ich mache das nun seit vier Jahren und war seitdem durchgängig beschäftigt. Habe auch viele gute Auftraggeber, bin sehr breit aufgestellt. Ich hatte nie Grund, mich zu beschweren. Ich habe ein ordentliches Einkommen und der Arbeitsaufwand ist völlig im grünen Bereich. Mehr als 40 Stunden arbeite ich dafür selten, meist weniger.
Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass ich der einzige bin, bei dem es so gut läuft. Zumal ich ein Quereinsteiger ohne Studium und Volo war. Daher die Frage: Geht es euch allen als Freiberufler wirklich so schlecht? Bin ich der einzige, bei dem es gut läuft? Ich schreibe das nicht, um irgendwie angeben zu wollen. Was hätte ich davon, ihr kennt mich schließlich eh nicht. Es ist wirklich eine ernst gemeinte Frage. Denn es stimmt einen schon verwundert, wenn man selber mit der Freiberuflichkeit total happy ist und alle anderen schreiben, wie schlimm das alles ist und dass sie davon kaum leben können.
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Alt 20.02.2011, 23:32   #2
synapse87
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Standard AW: Freier: Ist es wirklich so schlimm bei euch?

Mich persönlich würde ja eher dein Erfolgsrezept interessieren Beim Überfliegen deiner Web-Visitenkarte ist mir jedenfalls aufgefallen, dass viele deiner Angebote Leistungen sind, von denen ich mich später eigentlich (sofern nicht absolut notwendig) eher distanzieren will, z.B.: Produktbeschreibungen, Versicherungstexte, Finanztexte, Werbebriefe, Unternehmensdarstellungen...Mich interessiert daher, wieviel Prozent deiner Einnahmen auf tatsächlich journalistische Arbeit zurückzuführen ist?
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Alt 21.02.2011, 14:56   #3
Texte-Büro
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Standard AW: Freier: Ist es wirklich so schlimm bei euch?

Die Internetseite ist veraltet. Ich habe schon lange geplant, diese überarbeiten zu lassen. Nur habe ich das bisher nicht gemacht, weil ich ohnehin nicht auf der Suche nach neuen Auftraggebern war. Die journalistische Arbeit macht mittlerweile 70 - 80 Prozent aus. Die sonstigen Textdienstleistungen sind praktisch nur eine Ergänzung, weil sie oft auch "schnelles Geld" bringen.
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Alt 03.03.2011, 03:19   #4
Freak
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Standard AW: Freier: Ist es wirklich so schlimm bei euch?

Hallo Texte-Büro!

Deine Frage ist interessant: Möchte nämlich selbst gerne wissen, wie es die anderen Freelancer so handhaben und natürlich auch, was Dein „Erfolgsrezept“ ist.

Bei mir, ebenfalls Quereinsteigerin, war es anfangs nicht leicht. Durch Zufall bin ich immer wieder beim Journalismus gelandet und dachte mir schließlich (so nach circa zehn Jahren), das Ganze richtig aufzuziehen. Dann musste ich feststellen, dass es doch nicht so einfach ist: viel dazulernen, arbeiten um arbeiten zu können, Büro und Equipment finanzieren. Was Letzteres angeht, bin ich immer noch dabei. Weil ständig was kaputt geht, bleiben Neuanschaffungen aus. Gerade ärgere ich mich darüber, dass mein Laptop nicht so schnell ist wie ich und öfters mal ein Buchstabe oder ein Leerzeichen fehlen. Muss in Word tippen, damit mein veraltetes Programm eventuell anzeigt wann was fehl. Außerdem steht das Katzenklo jetzt direkt vor dem Second Hand-Schlepptop, damit ich das bereits verschmort riechende Netzteil, das neulich provisorisch zusammengeschweißt wurde, im Ernstfall schnell löschen kann.

Was die Aufträge anbelangt, hast Du mich gerade auf falschem Fuß erwischt: Bin so was von abgenervt! Es gab Zeiten, da war ich echt happy, obwohl ein acht Stunden-Tag nie drin war. Nach 14 Stunden denk ich immer: „Hey, heut hast Du aber nichts gemacht.“ Und „Wochenende“, was ist das?

Die Jobs, die nichts mit Journalismus zu tun haben und schnell von der Hand gehen, kenne ich ebenfalls. Drei Cent wären mir wirklich zu arg, aber für cirka sechs Cent für fast nichts tun bin ich wirklich dankbar. Oftmals bringen diese Nebenjobs mehr als journalistische Aufträge. Und vor allem mehr als Babysitten, Regale einräumen oder Fehlböden aus Bruchbuden entfernen. Schließlich sitze ich in meinem schlecht beheizten Büro im Ghetto, darf ausschlafen, habe keine Kinder, Hunde, nervtötende Kollegen oder Chefs um mich, werde nicht blöd angemacht und kann essen und Kaffee trinken wann ich will, meistens zumindest. Aber das Entscheidende ist: Ich weiß, dass der ganze Stress nur für mich ist und nicht für Firma XY die mir am A**** vorbeigeht. Nicht, dass mich die mit den (fast) lukrativen Nebenjobs mehr tangieren, aber ich sehe sie halt als Mittel zum Zweck.
Oftmals und in letzter Zeit verstärkt durch die Mitarbeit bei zwei größeren Magazinen, musste ich leider feststellen: Je bekannter das Magazin, desto höher die Ansprüche und desto schlechter die Bezahlung. Inzwischen habe ich bei den Beiden die Mitarbeit gekündigt und in finanzieller Hinsicht bereue ich es im Nachhinein da mitgemacht zu haben. Schön, jetzt steht wieder mal mein „Noname“ in zwei „ganz wichtigen“ Print-Exemplaren, dafür hatte ich aber keine Feiertage, war fast drei Wochen am Stück wach und weiß noch nicht, wie ich meine Steuererklärung zahlen und was ich im März essen soll. Das wäre nicht passiert, hätte ich mich nur an die anspruchslosen Nebenjobs gehalten. Aber dabei kann man ja verblöden …

Eine Festanstellung möchte ich auf keinen Fall, das wäre nur noch schlimmer als jetzt: Da müsste ich die "Stressfaktoren" täglich auch noch life ertragen und mich mit ihnen auseinander setzen.


Daher bemühe ich mich noch um Aufträge bis ich meine eigenen Projekte endlich mal erfolgreich durchbringen kann. Hätte ich natürlich längst, vor Jahren (!), wäre ich ein Töchterchen reicher Eltern, die mir wohlgesinnt wenigstens eine Ausbildung finanziert hätten.
Aber denkt immer daran: Wir haben es gut. In der Nähe der Elfenbeinküste geboren, zur Kakaoernte gezwungen und spätestens mit Ende 20 im Jenseits hätten wir nicht einmal gewusst, was ein Studium oder Journalismus sind.

Bin gespannt, wie es bei Euch so läuft und welche Pläne Ihr habt!

Geändert von Freak (03.03.2011 um 03:28 Uhr).
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Alt 03.03.2011, 16:36   #5
Texte-Büro
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Standard AW: Freier: Ist es wirklich so schlimm bei euch?

Zitat:
Zitat von Freak Beitrag anzeigen
Inzwischen habe ich bei den Beiden die Mitarbeit gekündigt und in finanzieller Hinsicht bereue ich es im Nachhinein da mitgemacht zu haben. Schön, jetzt steht wieder mal mein „Noname“ in zwei „ganz wichtigen“ Print-Exemplaren, dafür hatte ich aber keine Feiertage, war fast drei Wochen am Stück wach und weiß noch nicht, wie ich meine Steuererklärung zahlen und was ich im März essen soll. Das wäre nicht passiert, hätte ich mich nur an die anspruchslosen Nebenjobs gehalten. Aber dabei kann man ja verblöden …
Ist das jetzt wörtlich gemeint? Du hast damit so wenig verdient, dass du kaum weißt, wie du den ganzen Monat das Essen bezahlen sollst? Also ganz ehrlich: Solche Jobs nehme ich von Anfang an nicht an. Abgesehen davon ist das auch nicht die Regel, dass bekannte Zeitschriften so schlecht bezahlen. Aber vielleicht ist es auch das Problem, dass manche einfach zu langsam schreiben. Man kann nicht immer einen ganzen Tag damit verbringen, einen Artikel zu schreiben. Ich plane je Woche fünf Arbeitstage mit je 8 Stunden. So weiß ich doch, was ich je Tag verdienen muss. Dann muss ich entweder entsprechend schnell arbeiten oder ich brauche besser zahlende Kunden. Das hat wenig mit einem Erfolgsrezept zu tun. Das ist ein gewöhnliches wirtschaftliches Denken.
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Alt 03.03.2011, 21:33   #6
Schweinswal
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Standard AW: Freier: Ist es wirklich so schlimm bei euch?

@Texte-Büro
Klingt ja alles sehr paradiesisch, aber auch nebulös. Irgendwie geht es mir meist so, wenn ich solche Erfolgsgeschichten lese. Ich frage mich: wie machen die das nur?
Worin bestehen denn die 70-80 % journalistischen Arbeiten. Sind das Radio- oder Fernsehbeiträge oder streng genommen doch PR-Texte? Und wie kommen Sie an Ihre Auftraggeber?
Normalerweise läuft es ja wohl so, dass man, um einen Text an den Mann zu bringen, erstmal Dutzende von Redakteuren am Telefon belästigen muss und dabei bloß nicht über Geld reden. Am Ende hat man dann mal wieder einen Stundenlohn von zwei Euro. Und wenn man das lange genug praktiziert hat, bekommt man auch schon mal Aufträge, die dann - da die Akquise wegfällt - vielleicht sogar fünf Euro/h einbringen.
Vielleicht sollte ich dazu sagen, dass ich nicht freiwillig "Freier" geworden bin. Dieses "bitte bitte, darf ich umsonst für euch arbeiten" liegt mir einfach nicht. Nun muss ich aber meine jugendliche Naivität ausbaden. Dachte ich doch, mit Studium, Journalistik-Aufbaustudium, fünf Praktika (Zeitungen, Online, Nachrichtenagenturen) und etlichen Jahren Berufserfahrung als "freier Mitarbeiter" (direkt vor Ort in der Redaktion) bei einer Zeitung würde ich sicher irgendwann ein Volontariat ergattern. Pustekuchen. Irgendwann ist man dann "zu alt" für ein Volo, aber natürlich auch für einen Branchenwechsel und dann macht man solange weiter, bis man nicht mehr kann.
Bei mir war es vor ca. zwei Jahren so weit. Ich stellte erste Verblödungserscheinungen bei mir fest. Z.B. merkte ich manchmal gar nicht mehr, wie bescheuert es ist, 100 Zeilen über eine Bürgerversammlung abzusülzen, bei der irgendwelche verbiesterten Rentner über die gewünschte Art der Verkehrsberuhigung in ihrer popeligen Straße debattieren - die so schmal ist, dass da ohnehin nur Profis schneller als 30 fahren können ...
Ich habe dann die Reißleine gezogen. Und jetzt arbeite ich deutlich unter Hartz-IV-Niveau, indem ich irgendwelche PR-Texte zusammenschreibe. Die Infos suche ich mir Internet zusammen. Den gleichen Job machten auch irgendwelche Studis ohne jegliche Qualifikationen, außer ein paar Probetexten. Zum Dank für meine tolle, zuverlässige Arbeit darf ich als einer von wenigen Freien weiter für einen Appel und ein Ei meine Texte zusammenpinnen. Wobei ich mich auch noch selbst ausbeute, da ich meine Qualitätsansprüche nicht weit genug herunterfahren kann, um einen halbwegs passablen Stundenlohn zu erreichen.
Ich habe endlos überlegt, ob es noch irgendwelche Alternativen für mich gibt. Doch da meine Ersparnisse so langsam weg sind, muss ich wohl doch bald zur Arge gehen und mich den üblichen Erniedrigungen aussetzen. "Journalismus" - für mich war es ein großes Missverständnis.
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Alt 03.03.2011, 21:59   #7
Texte-Büro
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Standard AW: Freier: Ist es wirklich so schlimm bei euch?

@Schweinestall

Also Sorry, dann machst du aber auch wirklich etwas falsch. Erst einmal muss man nicht sämtliche Redaktionen anfragen, um einen Text zu verkaufen. Sowas habe ich mein Leben noch nicht gemacht. Ich arbeite für ungefähr 8 verschiedene Redaktionen. Und zwar regelmäßig. Etwa einmal im Monat spreche ich mit denen ab, was im folgenden Monat auf dem Plan steht. Manchmal bringe ich Vorschläge, manchmal bringen die Vorschläge. Für eine Redaktion schreibe ich zum Beispiel durchschnittlich 2 Texte im Monat und weiß, dass das ungefähr 600 Euro bringt. Für eine andere Redaktion berichte ich an jedem Wochenende von einem Fußballspiel, für eine andere mache ich je Monat fünf bis zehn kleine Reportagen. Ich habe eben meinen festen Stamm an Auftraggebern. Und wenn mal einer wegbricht, dann suche ich eben nach Ersatz. Aber das ist selten. Ich habe zum Beispiel im Herbst mich bei vier Sportredaktionen beworben und mit zwei davon arbeite ich seitdem auch regelmäßig zusammen.
Ich habe kein Studium, kein Volo, ich habe mich einfach in den Beruf geschmissen und lebe nun seit einigen Jahren davon. Und es handelt es sich den 70 bis 80 Prozent übrigens um Printmedien. Die meisten Auftraggeber habe ich angeworben, indem ich mich einfach beworben habe und gelgentlich unaufgefordert Themenvorschläge übersandt habe.

Es mag arrogant klingen, auch wenn das nicht meine Absicht ist, aber ich weiß wirklich nicht, warum sich viele so schwer tun. Aber gut, vielleicht ist man für den Beruf dann nicht geschaffen und sollte lieber etwas anderes machen.
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Alt 03.03.2011, 22:12   #8
Schweinswal
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Standard AW: Freier: Ist es wirklich so schlimm bei euch?

@Texte-Büro
Dass ich etwas falsch mache, habe ich mir auch schon gedacht ...
Was ich nicht verstehe: Wenn Sie bei der einen Redaktion für 2 Texte 600 Euro bekommen, warum schreiben Sie dann am Wochenende für irgendwelche Lokalredaktionen für ein paar Cent über Fußballspiele? Die Bundesliga wird es ja wohl nicht sein, denn dafür gibt es ja normalerweise dpa und sid und, wenn es ein Heimspiel ist, einen Sportredakteur.
Außerdem würde mich Ihr Spezialgebiet interessieren, falls Sie das verraten wollen. Generell Sport?
Ich würde ja tippen, dass man als Spezialist für bestimmte Randsportarten noch am ehesten etwas reißen kann. Denn da berichten die Agenturen oft wenig drüber und es gibt oft auch keinen eigenen Redakteur, der sich mit so was auskennt.
Gut sind die Chancen natürlich auch als Technikjournalist oder Spezialist für Golf, Kücheneinrichtung, die Automobilzuliefererindustrie und ähnliche entlegenen Spezialgebiete.
Können Sie mir vielleicht noch verraten, was Sie unter "Bewerbung" verstehen. Ich meine, einfach mal so irgendeine Zeitung anschreiben und denen erzählen, man könnte über diese und jene Themengebiete schreiben, funktioniert doch nicht. Interessiert doch kein Schwein. Die Bewerber stehen doch Schlange. Schicken Sie denn nicht erst ein paar Mal konkrete Themenvorschläge oder gleich komplette Artikel, bevor Sie weitere Aufträge bekommen?
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Alt 03.03.2011, 22:23   #9
Freak
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Standard AW: Freier: Ist es wirklich so schlimm bei euch?

Zitat:
Zitat von Texte-Büro Beitrag anzeigen
Ist das jetzt wörtlich gemeint? Du hast damit so wenig verdient, dass du kaum weißt, wie du den ganzen Monat das Essen bezahlen sollst? Also ganz ehrlich: Solche Jobs nehme ich von Anfang an nicht an. Abgesehen davon ist das auch nicht die Regel, dass bekannte Zeitschriften so schlecht bezahlen. Aber vielleicht ist es auch das Problem, dass manche einfach zu langsam schreiben. Man kann nicht immer einen ganzen Tag damit verbringen, einen Artikel zu schreiben. Ich plane je Woche fünf Arbeitstage mit je 8 Stunden. So weiß ich doch, was ich je Tag verdienen muss. Dann muss ich entweder entsprechend schnell arbeiten oder ich brauche besser zahlende Kunden. Das hat wenig mit einem Erfolgsrezept zu tun. Das ist ein gewöhnliches wirtschaftliches Denken.
So etwas werde ich auch nicht mehr annehmen. Es war nur so spannend: Bei der einen Zeitschrift haben die mich unter vielen gewählt und die Aufgabe war auch interessant. Endlich mal wieder ein komplett neues Thema selbst recherchieren, mit zig Leuten kommunizieren etc. Der Wortpreis lag schon höher als bei beispielsweise einfachem Webcontent, aber das ist trotzendem nicht hingekommen. Nicht das schnelle oder langsame Schreiben hat zu dem Verdienstausfall geführt, sondern der ganze Aufwand drum herum: Telefonate, Fahrten, Interviews, Daten recherchieren, zusammentragen, auswerten, Grafiken, Skizzen, Bilder etc. Zum Schluss hin habe ich mich mit den Zuständigen nur noch angestresst, da sie immer mehr gefordert haben, ohne mit dem Preis mitzugehen. Da konnte ich aber nicht mehr aussteigen: Was hätten denn die ganzen Interviewpartner und alle, die mir bei der Datenrecherche behilflich waren, von mir gedacht. Die Leute hätten mich doch für bekloppt gehalten. Bei der anderen Zeitschrift war es nicht minder spannend, aber der Aufwand und das ganze Drumherum, vor allem die Kommunikation: eine Katastrophe …
Dadurch blieb dann kaum Zeit für die einfachen Sachen, bzw. die sogenannten Nebenjobs. Hinzu kommt, dass ich in diesem Monat meine Steuererklärung, die Buchhaltung und die Domain zahlen muss, plus ein paar unvorhergesehene Reparaturen (eigentlich sollte ich auch das schmorende Netzteil ersetzen), ein nerviger Mietrechtsstreit und paar private Ausgaben. Ende des Monats fahr ich auch noch zwei Wochen weg, um meine Vorhaben voranzutreiben. Nur verdienen werde ich in der Zeit erst mal nichts. Hätte ich mich nur an die Nebenjobs gehalten, wäre all das drin gewesen.

Aber es freut mich zu hören, dass die schlechte Bezahlung bei größeren Magazinen nicht der Regelfall ist. Vielleicht bringt die Sache wenigstens in punkto Referenz etwas!?

Bin abgesehen von dem Forums-Eintrag auch noch am arbeiten. Wie schaffst Du es mit so wenig Arbeitszeit zu einem vernünftigen Gewinn? Und wie findest Du immer genügend gut zahlende Kunden? Hast Du nicht mal zwischendurch Leerläufe und musst das im Nachhinein wieder reinkriegen?


Schweinswal, das klingt ja entsetzlich!
Da mir die Aufträge langsam zum Hals raus hängen, will ich was Eigenes aufziehen, um von niemandem mehr abhängig zu sein. Wäre das nicht auch was für Sie?
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Alt 03.03.2011, 22:27   #10
Texte-Büro
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Standard AW: Freier: Ist es wirklich so schlimm bei euch?

Tja, warum berichte ich am Wochenende für ein paar Euro über Fußballspiele? Ganz einfach: Weil es mir Spaß macht. Manche Aufträge mache ich wegen dem Geld, manche eben aus Spaß. Natürlich muss sich das letztendlich ausgleichen. Ich berichte nicht nur über Randsportarten, aber es stimmt natürlich, dass in diesem Bereich etwas weniger Mitbewerber vorhanden sind.

Meine Spezialgebiete sind Sport und berufliche Themen.

Und ehrlich gesagt bewerbe ich mich tatsächlich auf den ganz gewöhnlichen Wege. Eine Mail schreiben, telefonisch nachfragen, Themenideen übersenden etc. Gut, das klappt nicht immer. Es war schon ein großes Glück, dass ich bei den vier Bewerbungen im Herbst gleich zweimal Erfolg hatte. Aber hätte ich keinen Erfolg gehabt, hätte ich es eben noch zehn weitere male versuche. Und bis ich Erfolg gehabt hätte, hätte ich eben versucht, für die übrigen Redaktionen etwas mehr zu machen, um das auszugeleichen.
Und natürlich schicke ich nur konkrete Themenvorschläge. Es wäre totaler Quatsch, viel Zeit in einen Artikel zu investieren, den letztendlich vielleicht keiner haben möchte.

Abgesehen davon halte ich es für nicht sonderlich klug, die Reißleine zu ziehen, weil man nicht mehr über Bürgerversammlungen schreiben möchte. Ich habe auch schon über wirklich langweilige Themen geschrieben. Na und? Das gehört dazu. Ein Anwalt hat ja auch nicht nur spektakuläre Mordfälle sondern vielleicht auch gelegentlich nur einen langweiligen Nachbarschaftsstreit. Das gehört eben dazu. Ich habe das Gefühl, manche Journalisten scheitern an den eigenen Ansprüchen. Hier wird zum Beispiel gemeckert, dass man nicht für 5 Cent je Wort schreiben sollte. Diese Meinung akzeptiere ich, wenn man ansonsten bessere Aufträge hat. Hat man diese aber nicht, sollte man nicht hier im Forum (nicht böse gemeint) über die schwere Marktsituation rumheulen sondern eben lieber für 5 Cent je Wort schreiben. Und dann wird am Ende des Monats tatsächlich auch etwas mehr Geld auf dem Konto landen, als wenn man das nicht tut.

Wenn ich überhaupt ein Erfolgsrezept habe, dann vielleicht, dass ich mir nicht zu schade bin, zwischen den gut bezahlten Aufträgen auch mal für 5 Cent je Wort zu texten. Und dass ich nicht nur Interviews mit Michael Schumacher und Michael Ballack machen möchte, sondern auch mit ganz unbekannten Leuten. Die aufregenden Sachen ergeben sich dann von ganz alleine mal. Ich berichte beim Fußball zum Beispiel nur über die Oberliga, habe aber auch schon Interviews etc. beim HSV oder St. Pauli gemacht. Aber das ist eben nicht die Regel.....noch nicht^^
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Alt 03.03.2011, 23:01   #11
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Standard AW: Freier: Ist es wirklich so schlimm bei euch?

Das mach ich genauso: Auf die Idee Texte vorzuschreiben und mich auf gut Glück bei irgendwelchen Redaktionen zu bewerben, die nicht einmal jemanden suchen, käme ich ebenfalls nicht. Ich bewerbe mich auf tatsächliche Stellenanzeigen aus verschiedenen Jobforen, unter anderem diesem hier. Nur bei den fünf Cent-Angeboten will ich erst mal wissen, was dafür gefordert wird. Dafür recherchier ich nichts, höchstens schreib ich vorhandene Texte um. Bei Begriffserklärungen für Lexika sollte es, abhängig vom Thema, schon etwas mehr sein, so auch bei Webcontent.

In diesem Forum habe ich meinen bislang besten Auftraggeber gefunden. Da darf ich machen, was ich will und er meldet sich nur, wenn es wirklich etwas zu sagen gibt. Das heißt: Diese ganze sinnlose Kommunikation fällt weg, er wollte sich noch kein einziges Mal aussprechen (von wegen: „Ich hatte eine Grippe …“, „Meine Beziehung ist nach acht Jahren beendet …“, „Mein Sohn ist in ihrem Alter und hat … studiert und …“, „Der Keilreimen ist gerissen …“ usw. Alles schon erlebt und überlegt ein Seelsorgetelefon einzurichten.). Dazu hat er noch nichts verbummelt, antwortet schnell, wenn es was zu klären gibt, zahlt korrekt und auch noch pünktlich. Leider verdiene ich dort nur 300 - 400 Euro, da er nicht mehr Texte braucht. Noch drei bis fünf solcher Kunden und ich wäre wieder zufrieden und hätte sogar Freizeit.
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Alt 03.03.2011, 23:10   #12
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Und warum hast du momentan keine Freizeit? Bist du sieben Tage die Woche damit beschäftigst, kleine Texte zu schreiben? Also nur mal rein theoreitisch: Würdest du sieben Tage die Woche jeweils 8 Stunden Texte für 5 Cent je Wort schreiben, und dabei einigermaßen zügig sein, hättest du ein ziemlich hohes Einkommen. Aber da du ja sagst, dass du das nicht hast, stelle ich mir die Frage: Was machst du die ganzen Tage, sodass du kaum Freizeit hast???
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Alt 03.03.2011, 23:31   #13
Schweinswal
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@Texte-Büro
O.k., klingt alles ganz vernünftig. In einem Punkt haben wir offenbar aneinander vorbeigeredet bzw. -geschrieben: Es ging nicht darum, dass ich zu viel über banale Themen geschrieben habe, sondern fast ausschließlich. Und wenn ich mal ein wirklich interessantes Thema ausgegraben hatte, hieß es entweder, "das verstehen unsere Leser nicht", "danke für die Vorarbeit, das macht dann die Wirtschaft" oder "das ist uns zu heikel".
Im letztgenannten Falle habe ich tatsächlich einmal einen schon fertigen Artikel an einen anderen Auftraggeber (Zeitschrift) verkauft und damit auch etliche Nachfolgeaufträge (allerdings mies bezahlt) generiert.
Ich weiß nicht, ob Sie die typischen Abläufe in so einer Lokalredaktion kennen. Wenn es einmal nicht gar so banal ist, dann berichtet der Redaktionsleiter, obwohl der Praktikant das auch hinkriegen würde. Und wenn einmal etwas wirklich Aufsehenerregendes passiert - eine Mordserie z.B. - dann berichtet ein Redakteur aus der Hauptredaktion.
Was man kann, spielt überhaupt keine Rolle. Und wenn man so einen Job jahrelang macht, d.h. ständig unterfordert ist, alle Bemühungen, voranzukommen und wenigstens ab und an mal was Vernünftiges zu schreiben, abgeblockt werden, dann ist es wohl besser, aufzuhören. Zumal man irgendwann anfängt, sich selbst für doof zu halten, wenn man fortwährend für dumm verkauft wird.
Außerdem ist es mein Anspruch an Journalismus, die Leser zumindest nicht mutwillig zu belügen. Um nur ein Beispiel zu nennen: ein paar Unternehmen vor Ort - von denen eines sich sowieso wegen jedem Furz an die Zeitung wendet - starten eine "Ausbildungsoffensive" und bilden jeweils ein, zwei Lehrlinge aus. Die Chefin des genannten Ladens erzählt mir unter der Hand, dass sie ohnehin Lehrlinge eingestellt hätte, weil sie die nämlich braucht. Das zu verschweigen und kostenlose Werbung für diese Heuchler zu machen, finde ich nicht o.k. Aber natürlich musste der Artikel geschrieben und - wie immer - die "negative" Info verschwiegen werden.
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Alt 03.03.2011, 23:40   #14
Texte-Büro
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@Schweinestall
Vielleicht ist eine Lokalredaktion auch nicht immer der beste Auftraggeber. Natürlich habe auch ich schon die Erfahrung gemacht, dass sich die Chefredakteure die besten Themen schnappen. Allerdings ist das meiner Erfahrung nach auch nicht immer so. Aber wenn einem der Beruf nicht gefällt oder es einfach nicht passt, sollte man sich eben etwas anderes suchen. Ich habe schon oft erzählt, dass ich zuvor in einem anderen Beruf war und mich als Schauspieler versuchte. Aber es klappte einfach nicht richtig. Manche gingen zu drei Castings und bekamen mindestens eine Rolle, ich ging zu 20 Castings und bekam keine einzige Rolle. Der Beruf war einfach nicht für micht bestimmt. Im Journalismus lief es vom ersten Tage an fantastisch. Vielleicht ist es bei Dir eben andersherum und bei dir läuft es in einem anderen Beruf super. Manchmal ist es komisch, warum man in einem Beruf keinen Fuß in die Tür bekommt und in einem anderen Beruf öffnen sich die Türen von ganz alleine.
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Alt 04.03.2011, 00:17   #15
Schweinswal
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@Texte-Büro
Da mag was dran sein. Wenn ich mir einreden könnte, ich sei zu blöd für diesen Job, wäre es einfacher. Obwohl ich für einen anderen Job, egal welchen, natürlich längst zu alt bin (40). Das war aber auch schon der Fall, als ich zu alt für ein Volo war. Weshalb ich anschließend nur noch das Nötigste gemacht habe und mich für die hirnlose Arbeit täglich vor mir selbst geekelt habe. Das zumindest bleibt mir in meinem jetzigen Job erspart: Schönfärben muss ich immer noch, aber wenigstens nicht mehr lügen.

Nun ist es nicht so, dass ich ständig zu hören bekommen würde, meine Texte wären scheiße. Als ich z.B. bei dem Käseblatt gerade ein paar Wochen dabei war, fragte mich der Redaktionsleiter gleich, ob ich mich nicht um ein Volo bewerben wolle. Leider wusste er nicht, dass Bewerbungen, auch von eigenen "Freien", bei dieser Zeitung grundsätzlich ignoriert werden und man stattdessen auf eine Einladung "von ganz oben" warten muss. Ich erfuhr dass dann, als ich nachfragte, warum ich nicht zumindest eine Absage bekommen hatte. Und wie gesagt, dann war ich zu alt (> 30), weil die Wartefrist für ein Volontariat auf ca. 5 Jahre erhöht worden war.
Ich habe dann noch nebenher zwei andere Jobs weit jenseits des Journalismus gestartet: einmal freiberuflich, einmal selbständig, war aber nix. Was z.T. wohl an meiner inzwischen mehr und mehr verfestigten Erkenntnis lag, dass Einsatz im Berufsleben genauso wenig lohnt wie irgendwelche Qualifikationen. Umso mehr in völlig überlaufenen Berufsfeldern, in denen sowieso fast alle überqualifiziert sind. O.k., eine Journalistenschule absolviert zu haben, bringt sicher noch etwas, aber alles andere kann man in der Tüte rauchen.
Vielleicht probiere ich es doch noch mal, ein paar neue Auftraggeber an Land zu ziehen und Textvorschläge zu verschicken. Irgendwie stehe ich mir dabei auch selbst im Weg. Oft denke ich, es ist doch eh über alles schon einmal geschrieben worden - auch wenn das natürlich nicht stimmt.
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